Was bedeutet „Kissa“? – Die Bedeutung von „Kissaten“ und „Jazz Kissa“ erklärt
Ein Wort zum Zuhören
Von Rafi Mercer
Jemand hat mich heute gefragt, was „kissa“ bedeutet. Das Wort ist im Japanischen eigentlich ganz einfach: Es leitet sich von „kissaten“ (喫茶店) ab, was wörtlich übersetzt „Teestube“ bedeutet. In den Nachkriegsjahren waren „kissaten“ Cafés, in denen sich die Menschen treffen, Kaffee trinken und einander zuhören konnten.
Doch im Laufe der Zeit entwickelte das Wort eine zweite Bedeutung. In Japan wurde „Jazz Kissa“ zu einer Welt für sich – kleine Bars, in denen nicht Live-Bands im Mittelpunkt standen, sondern Schallplatten, die auf sorgfältig abgestimmten Anlagen abgespielt wurden. Orte, an denen das Zuhören zum Ritual wurde. Der Plattenspieler wurde zur Bühne, der DJ zum Wegweiser, die Schallplatte zur Darbietung.
Ein Jazz-Kissa zu betreten bedeutet, einen Raum zu betreten, der ganz auf den Klang ausgerichtet ist. Das Licht ist gedämpft, der Whisky wird sorgfältig eingeschenkt, und aus den Lautsprechern erklingt Musik, als würde sie gerade in Echtzeit gespielt. Miles Davis, John Coltrane, Nina Simone – ihre Stimmen sind noch immer lebendig, ihre Töne noch immer unmittelbar.
Ja, „kissa“ mag zwar „Café“ bedeuten, doch in der Praxis hat es mittlerweile eine viel tiefere Bedeutung angenommen: einen Ort, an dem das Zuhören im Mittelpunkt steht, an dem die Welt gerade so weit langsamer wird, dass sich Musik entfalten kann. Ein Wort für Präsenz, für Geduld, für den Klang selbst.
Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten,abonnieren Sie den Newsletter hier oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.