Miles Davis – Kind of Blue | The Long Echo | Die komplette Vinyl-Session + Was dadurch möglich wurde

Miles Davis – Kind of Blue | The Long Echo | Die komplette Vinyl-Session + Was dadurch möglich wurde

„Kind of Blue“ – in voller Länge, auf Vinyl, von Anfang bis Ende. Fünf Titel. Aufgenommen in zwei Sessions im Jahr 1959, mit Musik, die die Musiker erst wenige Stunden zuvor gesehen hatten. Vier der fünf Titel sind Erstaufnahmen. Miles Davis ließ ihnen Freiraum und vertraute darauf, was dabei herauskam.

Die Veranstaltung beginnt ohne Worte. Zwischen den einzelnen Titeln – jeweils eine sorgfältig ausgewählte Platte, die zeigt, womit „Kind of Blue“ den Weg ebnete, was es ermöglichte und wohin die Diskussion schließlich führte.

Gesamtlaufzeit ca. 2 Stunden.

Vielen Dank fürs Zuhören

Rafi Mercer – Gründer von Tracks & Tales

TITELLISTE

ERÖFFNUNGSTITEL

01 „Blue Rondo à la Turk“ – Dave Brubeck Quartet – „Time Out“ (Columbia, 1959)

Brubeck hörte diesen Rhythmus 1958 von Straßenmusikern in Istanbul. Einer von ihnen sagte zu ihm: „Dieser Rhythmus ist für uns das, was der Blues für euch ist.“

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KIND OF BLUE

02 So What – Miles Davis – Kind of Blue (Columbia, 1959)

Davis gab den Musikern an diesem Tag lediglich grobe Partituren. Was man hört, ist größtenteils die erste Aufnahme. Die berühmteste Eröffnung der Jazzgeschichte entstand in diesem Raum, als die Musiker in Echtzeit ihren Rhythmus fanden.

03 Like Sonny — John Coltrane – Coltrane Jazz (Atlantic, 1961)

Geschrieben als Hommage an Sonny Rollins – doch die Melodie wurde direkt aus Rollins’ eigenem Solo auf einer Kenny-Dorham-Platte aus dem Jahr 1957 übernommen. Eine Hommage, die auf den Noten des Mannes selbst basiert.

KIND OF BLUE

04 Freddie Freeloader — Miles Davis – Kind of Blue (Columbia, 1959)

Der einzige Titel ohne Bill Evans – stattdessen spielt Wynton Kelly. Benannt nach einer realen Person: einem Mann, der in den New Yorker Jazzclubs dafür bekannt war, seine Rechnung nie ganz zu bezahlen.

05 Mercy, Mercy, Mercy — Cannonball Adderley – Mercy, Mercy, Mercy! Live im „The Club“ (Capitol, 1967)

Obwohl in den Liner Notes behauptet wird, dass der Titel live in Chicago aufgenommen wurde, entstand er in den Capitol Studios in Hollywood. Niemand hat das bemerkt. Er erreichte Platz zwei der Soul-Charts.

KIND OF BLUE

06 Blue in Green — Miles Davis – Kind of Blue (Columbia, 1959)

Ob Davis oder Evans dies geschrieben hat, ist bis heute nicht geklärt. Es taucht in Evans’ Notizbüchern vor der Sitzung auf. Die Frage bleibt offen.

07 A Love Supreme, Teil I: Acknowledgement — John Coltrane – A Love Supreme (Impulse!, 1965)

Aufgenommen in einer einzigen Session am 9. Dezember 1964. Coltrane beschrieb das Stück als „eine bescheidene Opfergabe an Gott“. Hierhin führte „Blue in Green“ schließlich.

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KIND OF BLUE

08 All Blues – Miles Davis – Kind of Blue (Columbia, 1959)

Im 6/8-Takt – mit Walzer-Charakter, was für einen Blues ungewöhnlich ist. Mit elfeinhalb Minuten ist dies der längste Titel des Albums und zugleich der zukunftsweisendste.

09 What's Going On – Marvin Gaye – What's Going On (Tamla/Motown, 1971)

Berry Gordy weigerte sich, den Titel zu veröffentlichen. Gaye weigerte sich, irgendetwas anderes aufzunehmen, bis er erschien. Innerhalb eines Monats erreichte er Platz eins der R&B-Charts. Jazz-Harmonien halten Einzug in die Soul-Musik.

KIND OF BLUE

10 „Flamenco Sketches“ – Miles Davis – „Kind of Blue“ (Columbia, 1959)

Fünf Tonleitern. Jeder Solist konnte so lange verweilen, wie er wollte, bevor er zur nächsten überging. Keine festgelegte Dauer. Der Titel endet, wenn die Musiker es für richtig hielten.

11 Shhh / Peaceful — Miles Davis – In a Silent Way (Columbia, 1969)

Aufgenommen an einem einzigen Tag im selben Columbia-Studio wie „Kind of Blue“. Joe Zawinul bezeichnete es als „einfach nur ein bisschen Herumimprovisieren“. Einige Musiker erkannten ihr eigenes Spiel auf dem fertigen Album gar nicht wieder.

ABSCHLIESSENDER HÖRMOMENT

12 „The Köln Concert“, Teil I – Keith Jarrett – „The Köln Concert“ (ECM, 1975)

Jarrett kam völlig erschöpft an. Das Klavier war nicht in Ordnung – ein ramponiertes Probeninstrument, das kaum noch spielbar war. Er spielte trotzdem. Völlig improvisiert. Das meistverkaufte Solo-Klavieralbum aller Zeiten.

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Hier sind fünf häufig gestellte Fragen rund um die Veranstaltung – eine Mischung aus Neugierde und Praxis, im gleichen Format wie die Website.


Häufig gestellte Fragen

Was ist „Kind of Blue“?

„Kind of Blue“ ist das 1959 erschienene Album von Miles Davis, das im 30th Street Studio von Columbia in New York aufgenommen wurde. Es ist bis heute das meistverkaufte Jazzalbum aller Zeiten. Vier der fünf Titel sind Erstaufnahmen, die von Musikern eingespielt wurden, die das Material erst wenige Stunden vor Beginn der Session zum ersten Mal gesehen hatten.

Was bedeutet „Modal Jazz“ und warum ist das wichtig?

Vor „Kind of Blue“ basierte die Jazzimprovisation weitgehend auf Akkordwechseln – Musiker, die sich mit hoher Geschwindigkeit durch komplexe harmonische Abläufe bewegten. Davis ersetzte Akkorde durch Tonleitern und gab den Musikern damit einen einfacheren Rahmen und mehr Spielraum innerhalb dieses Rahmens. Das Ergebnis war langsamer, weitläufiger und offener. Fast alles, was danach kam – von Coltranes spirituellen Erkundungen über Soul-Jazz bis hin zur Ambient-Musik – verdankt dieser Wende etwas.

Warum ist „The Köln Concert“ das Schlussstück?

Denn es ist der vollendetste Ausdruck all dessen, wofür „Kind of Blue“ stand. Ein Musiker, ein kaputtes Klavier, kein Plan, keine Probe, ein ausverkauftes Haus – und etwas Außergewöhnliches entstand. Keith Jarrett vertraute den Umständen genauso, wie Davis 1959 seinen Musikern vertraute. Die Vorgehensweise ist identisch. Das „Köln Concert“ ist die Lektion von „Kind of Blue“, die sechzehn Jahre später von einem einzigen Pianisten in Köln umgesetzt wurde.

Wer war bei den Aufnahmen zu „Kind of Blue“ dabei?

Miles Davis an der Trompete. John Coltrane und Cannonball Adderley am Saxophon. Bill Evans und Wynton Kelly am Klavier. Paul Chambers am Bass. Jimmy Cobb am Schlagzeug. Sechs dieser Musiker nahmen später ihre eigenen bahnbrechenden Alben auf. In diesem Raum war an jenem Tag eine außergewöhnliche Konzentration dessen versammelt, was der Jazz einmal werden sollte.

Warum erstreckt sich diese Legislaturperiode von 1959 bis 1975?

Denn genau das ist der Bogen, den das unmittelbare Echo von „Kind of Blue“ spannt – vom Album selbst über Coltranes Spiritual Jazz, Cannonballs Soul-Jazz-Crossover, Marvin Gayes „What’s Going On“, Davis’ eigenem „In a Silent Way“ bis hin zum „Köln Concert“. Der rote Faden reißt nie. Der Dialog hört nie auf. Er wechselt lediglich den Raum.

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