Ein Lagerhaus voller Wärme: Alle meine Freunde in Hackney Wick
Von Rafi Mercer
Neues Angebot
Name des Veranstaltungsortes: All My Friends
Adresse: 53 White Post Lane, Hackney Wick, London E9 5EN, Vereinigtes Königreich
Website: allmyfriends.uk
Telefon: Nicht öffentlich bekannt
Hackney Wick hat die Angewohnheit, seine schönsten Seiten vor aller Augen zu verbergen – hinter Rollläden und unter dem Brummen alter Industrieanlagen. „All My Friends“ ist ein solcher Geheimtipp – ein großer, großzügiger Lagerraum, der alles Mögliche hätte sein können, aber zu einem Ort umgestaltet wurde, an dem man am liebsten die ganze Nacht bleiben möchte. Nicht nur wegen der Musik – obwohl die Musik schon Grund genug wäre –, sondern weil es einer der seltenen Orte ist, die sich wie das Wohnzimmer einer Stadt anfühlen, deren Bewohner sich zu sehr verstreut haben.

Wenn man hereinkommt, spürt man es sofort. Die Luft ist wärmer als der Kanalwind draußen, aber nicht stickig. Das Licht sammelt sich in den Ecken, während die Mitte offen bleibt. Die Raumaufteilung wirkt nicht beengt – lange Tische für Gruppen, niedrige Sitzgelegenheiten in der Nähe der Bar, ein Bereich vor der Nische, in dem man stehen und sich hineinlehnen kann. Die Decke ist hoch, die Balken liegen frei, aber irgendwie verhallt der Klang nicht in den Dachsparren.
Das ist Absicht. Die Beschallungsanlage hier ist ein geschickter Kompromiss zwischen Größe und Intimität – groß genug, um den Raum zu füllen, und so abgestimmt, dass man sich nah am Geschehen fühlt. Die Basslinien kommen mit einem abgerundeten Punch rüber, die Mitten sind klar, ohne steril zu wirken, und die Höhen funkeln, ohne schrill zu klingen. Man kann ganz hinten mit einem Teller Essen sitzen und trotzdem die Details der Percussion hören; man kann neben der Kabine stehen und spüren, wie sich die Luft bewegt.
Apropos Essen: Das ist hier keineswegs nur Nebensache. Im „All My Friends“ arbeitet die Küche im Rhythmus der Platten – die Gerichte werden in aller Ruhe serviert, in Portionen, die zum Teilen gedacht sind. An dem Abend, an dem ich dort war, standen vor allem saisonale und herzhafte Speisen auf der Speisekarte: angebratenes Gemüse mit rauchigen Rändern, langsam gegartes Fleisch, noch warmes Brot. Nichts lenkt die Aufmerksamkeit von der Musik ab, aber alles macht Lust, noch länger zu bleiben.
Die Plattenabteilung liegt etwas abseits und ist leicht zu übersehen, wenn man nicht gezielt danach sucht. Sie ist mehr als nur eine Spielerei – es ist eine echte Ecke für Plattensammler, mit Veröffentlichungen lokaler Labels, Second-Hand-Überraschungen und einer Handvoll internationaler Fundstücke. Ich beobachtete, wie ein Gast am späten Abend eine LP in die Hand nahm, den DJ fragte, ob er sie auflegen könne, und zwanzig Minuten später lief sie bereits und erfüllte den Raum mit Bläsersätzen und dem Rauschen einer Live-Rhythmusgruppe aus Lagos, 1974.
Das Programm ist hier demokratisch, aber sorgfältig kuratiert. An einem Abend stehen vielleicht verstaubte Soul-45er im Mittelpunkt, am nächsten Deep-House-12er – und irgendwie funktioniert das. Der Name – „All My Friends“ – strahlt Großzügigkeit aus, und in der Praxis wird dies auch gelebt: Das DJ-Pult steht einem Netzwerk von DJs offen, die alle die gleiche Ethik der Achtsamkeit gegenüber der Musik und dem Raum teilen.
Die Bar ist groß genug, um ein eigenes Publikum anzuziehen, und obwohl der Schwerpunkt hier auf Craft-Bier und Naturwein liegt, gibt es auch eine sorgfältig zusammengestellte Cocktailkarte. Nichts allzu Aufwendiges – einfach eine gute Ausgewogenheit, frische Zutaten und ein Gespür dafür, was zur Stimmung des Abends passt.
Um zehn Uhr ist der Club in vollem Gange. Die Gruppen an den Tischen beugen sich zueinander hin, die Musik ist gerade laut genug, um einen aus seinen eigenen Gedanken zu reißen, ohne dass man schreien muss, und im offenen Bereich neben der Nische herrscht reges Treiben. Nicht gerade eine Tanzfläche – eher ein Raum des Ausdrucks, in dem jeder selbst entscheiden kann, wie sehr er sich einbringen möchte.
Was „All My Friends“ von manchen anderen großen Konzerträumen unterscheidet, ist, dass hier keine Ehrfurcht erzwungen wird. Hier darf man reden. Hier darf man lachen. Das Zuhören ist intensiv, aber es ist ein geselliges Zuhören – ein gemeinsames Erlebnis unter Menschen, die sich bewusst hier zusammengefunden haben, und nicht etwas, das Fremden in stiller Ehrfurcht aufgezwungen wird. Das macht die Musik nicht weniger wichtig; wenn überhaupt, bedeutet es, dass sie die Menschen auf eine Weise erreicht, die sie mit nach Hause nehmen.
Wenn das Set für einen Moment unterbrochen wird, wirkt das Gemurmel der Gespräche nicht wie eine Störung – es fühlt sich vielmehr wie ein Teil des Gesamtklangs an. Ein DJ wechselt die Platte, bereitet die nächste vor, und das Summen im Raum fügt sich wieder in den Rhythmus ein. Es ist ein Auf und Ab, das man nur bemerkt, wenn man gezielt darauf achtet, und genau das ist der springende Punkt: Es funktioniert, weil es natürlich ist.
Der Name kommt mir wieder in den Sinn. Bei „All My Friends“ geht es nicht um Exklusivität, sondern um die Idee, dass man sich treffen, Musik hören, essen und trinken kann, ohne sich für das eine oder das andere entscheiden zu müssen. In einer Stadt, in der Ausgehabende oft wie eine Checkliste wirken – erst in die Bar, dann zum Essen, dann in den Club –, ist dies ein Ort, an dem alle drei Dinge gleichzeitig stattfinden, ohne dass man den Ort wechseln muss.
Am Ende des Abends stand ich noch in einer Ecke des Ladens und blätterte durch eine Kiste mit Reggae-Neuauflagen, während ich noch halb mit dem letzten Titel aus der Anlage mitging. Der Übergang zurück auf die Straße verlief ganz sanft, doch ich trug den Raum in mir – eine Erinnerung daran, dass die besten Nächte manchmal jene sind, in denen nichts schreit, aber dennoch alles spricht.