„Above the Beat“: Die Vinyl- und Sushi-Sessions von Studio 151 im East Village
Von Rafi Mercer
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Das Studio 151 ist eine der renommiertesten Listening-Bars in New York City – erfahren Sie mehr in unserem Leitfaden zu den Musiklokalen in NYC.
Name des Veranstaltungsortes: Studio 151
Adresse: 151 Avenue C, New York, NY 10009, Vereinigte Staaten
Website: studio151nyc.com
Telefon: +1 917-409-0251
Spotify-Profil: k. A.
Es gibt einen Moment auf der Avenue C, in dem das Rauschen des Verkehrs verstummt und man einen Musikausschnitt hört, wo man eigentlich nur das Quietschen von Reifen auf Asphalt erwarten würde. Vielleicht ist es eine Walking-Bass-Linie, vielleicht ein knackiger Rimshot. Man schaut auf – über einer schmalen Tür hängt ein neonbeleuchtetes Schild. Das ist das Studio 151.
Wenn man die Treppe hinaufsteigt, gelangt man in einen Raum, der den Eindruck vermittelt, als hätte eine Jazzbar aus Tokio einen langen Urlaub in New York verbracht und beschlossen, dort zu bleiben. Die Wände sind dunkel, die Sitznischen tief, die Bar in einem sanften Bernsteinton beleuchtet, der alles – Glas, Schallplatten, Gespräche – wärmer erscheinen lässt. Ganz hinten legt ein DJ gerade eine Schallplatte auf einem Technics-Plattenspieler auf, wobei sich der Tonarm senkt, als würde er sich in die Rille verbeugen.
Das Studio 151 teilt seine DNA mit dem Nublu, dem Club im Untergeschoss, der für schweißtreibende, bläserlastige Jam-Sessions und genreübergreifende DJs bekannt ist. Doch dies ist der „große Bruder“ im Obergeschoss: präziser, zurückhaltender und dennoch unbestreitbar New York. Das Soundsystem ist eher auf Detailtreue als auf Lautstärke ausgelegt – eine Anlage, bei der ein Snare-Schlag sowohl Knall als auch Luft hat und bei der man den Kontrabass nicht nur hört, sondern auch spürt.
Dann ist da noch das Sushi. Das ist kein nachträglicher Einfall – parallel zum Hörprogramm wird ein komplettes Omakase-Menü serviert. Vielleicht sind Sie gerade dabei, ein Stück fetten Thunfisch zu genießen, während der Wasabi Ihre Sinne weckt, als der DJ einen Titel von Masabumi Kikuchi auflegt, der den Raum in einen sanft schwelenden Tagtraum verwandelt. Diese Kombination ist Alchemie: Der Geschmack schärft das Gehör, die Musik erweitert den Gaumen.
Das Programm hat einen japanischen Einschlag – Jazz aus dem Nippon-Columbia-Katalog, seltene City-Pop-Perlen, Shigeo Sekitos sanfte E-Orgel-Melodien –, doch wir sind hier in New York, und die DJs wechseln ohne Vorwarnung zu einem Funk-Stück aus den frühen 70ern, einer verstaubten Afrobeat-12-Zoll-Platte oder einem Gospel-Soul-Track, der den Raum in Stille hüllen lässt.
Das Publikum ist ein Paradebeispiel für gegenseitige Befruchtung: Langjährige East-Village-Bewohner, Stammgäste des Nublu, Branchengrößen, Paare bei einem Date und der eine oder andere „Vinyl-Tourist“, der von diesem Ort gelesen und eine Pilgerreise hierher unternommen hat. Es wird zwar geredet, doch das ist eher Nebensache. Die Musik steht hier im Vordergrund – ganz bewusst und absichtlich.
Ich nehme an der Bar Platz, die eher wie ein Ort zum Zuhören als zum Trinken wirkt. Der Barkeeper wechselt fließend zwischen dem Einschenken von Sake, dem Servieren von Tellern und dem leisen Austausch mit dem DJ darüber, was als Nächstes gut passen könnte. Der Service vereint die Lässigkeit des East Village mit japanischer Präzision.
Das Sushi wird nacheinander serviert, wobei jeder Teller seinen eigenen visuellen Rhythmus hat – hier ein Streifen Fisch, dort eine Muschel – und zwischen jedem Stück erfüllt etwas Neues aus den Lautsprechern den Raum. Es ist fast so, als würden der Koch und der DJ still zusammenarbeiten und gemeinsam die Energie des Abends gestalten.
Die Beleuchtung ist hier Teil des Gesamtkonzepts. Sie ist gedämpft genug, um die Außenwelt verschwinden zu lassen, aber nicht so dunkel, dass man den Kontakt zu den Menschen im Raum verliert. Das Licht hinter der Bar fällt auf den Rand einer auf einem Ständer aufgestellten Schallplattenhülle – heute Abend ist es eine LP von Terumasa Hino aus den 70er Jahren, und man hört, wie sich die Hitze der Trompete durch den Mix schneidet.
Der Abend entwickelt sich in verschiedenen Phasen. Der frühe Abend ist von Entdeckungslust geprägt – die DJs stöbern in langsamen Grooves, brasilianischer Bossa und Balladen mit Besen-Schlagzeug. Ab 22 Uhr wird es etwas kantiger: Funk, Latin Jazz, Break-lastiges Disco. Und wenn Mitternacht näher rückt, wird es vielleicht etwas abstrakter – jene Art von Klanglandschaften, bei denen man sich mit einem Sake-Glas in der Hand nach vorne beugt, um dem Mix zu lauschen und gespannt auf die nächste Wendung zu warten.
Was mir am Studio 151 besonders auffällt, ist, wie es schafft, zwei Identitäten im selben Raum zu vereinen. Einerseits ist es eine Bar im East Village, die eine starke Anziehungskraft auf die Nachbarschaft ausübt. Andererseits ist es ein Anziehungspunkt für die internationale Vinyl-Szene – für Menschen, für die ein Abend hier ebenso sehr eine musikalische Pilgerreise wie ein geselliges Beisammensein ist.
Wenn man schließlich wieder hinunter zur Avenue C geht, wirkt der Straßenlärm nach der gedämpften Atmosphäre im Obergeschoss fast schon aufdringlich. Doch ein Echo begleitet einen noch – eine sensorische Erinnerung an Geschmack und Klang, an einen Basston, der gerade dann verklingt, wenn man das letzte Stück Sushi hinunterschluckt.
Das Studio 151 muss nicht laut sein, um sich Gehör zu verschaffen. Es legt einfach den Groove auf und lässt dich darin versinken.
Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.
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