Jenseits des Wassers: Musikgenuss an der Seine in der Notre Dame Music Bar

Jenseits des Wassers: Musikgenuss an der Seine in der Notre Dame Music Bar

Von Rafi Mercer

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Die „Notre Dame Music Bar“ ist eine der renommiertesten Listening-Bars in Paris – erfahren Sie mehr in unserem Leitfaden zu den Pariser Musiklokalen.

Name des Veranstaltungsortes: Notre Dame Music Bar
Adresse: 19 Quai de Montebello, 75005 Paris, Frankreich
Website: notredamemusicbar.com
Telefon: +33 1 43 54 20 02
Spotify-Profil: k. A.

Paris versteht es, Klänge in Kulisse zu verwandeln. Mal ist es das Trillern einer Ziehharmonika von einer Brücke her, mal das leise Schaben von Stühlen auf einer Caféterrasse, mal das Läuten von Glocken von einem Ort, den man nicht sehen kann. Inder Notre Dame Music Bar schwebt all das direkt vor dem Fenster – nah genug, um es zu spüren, doch weit genug, damit die Musik im Inneren ihren Platz einnehmen kann.

Die Bar liegt am Quai de Montebello, einem schmalen Uferabschnitt gegenüber der Kathedrale Notre-Dame. Von der Straße aus sieht sie aus wie ein weiteres einladendes Pariser Café – Markise, Tische, Speisekarten auf einer Kreidetafel. Tritt man jedoch ein, ändern sich die Prioritäten. Als Erstes fällt auf, wie der Raum so gestaltet ist, dass er den Schall einfangen kann. Niedrige Decken, dicke Wände, Holzböden, die durch Teppiche gedämpft werden – nichts ist dem Zufall überlassen.

Die Nachmittage hier gehören der Schallplatte. Die Anlage ist nicht riesig, aber genau auf den Raum abgestimmt – sie füllt ihn aus, ohne auf die Straße überzugreifen. Vielleicht hört man Django Reinhardt, der sich durch eine Reihe französischer Chansons schlängelt, oder eine Auswahl von Blue-Note-Pressungen aus den 1960er Jahren, die mit dem Fluss im Hintergrund fast schon filmisch wirken. Der DJ ist ebenso sehr Gastgeber wie der Barkeeper und bewegt sich mit ruhiger Leichtigkeit zwischen den Plattentellern und den Tischen hin und her.

Abends gibt es Live-Musik – nicht in voller Bandlautstärke, sondern mit Sets, bei denen das Zuhören im Vordergrund steht. Ich saß schon am Fenster, während ein Gitarrist eine Reihe brasilianischer Klassiker spielte, die Kathedrale auf der anderen Seite des Flusses beleuchtet, die Luft warm und leicht nach Kaffee und Wein duftend. Zwischen den Liedern hört man das Plätschern des Flusses am Kai und gelegentliches Lachen von Passanten.

Das Wechselspiel zwischen Innen und Außen ist hier Teil des Erlebnisses. Im Sommer stehen die Fenster weit offen, und der Raum atmet mit der Stadt. Die Musik verschmilzt mit den Glocken von Notre-Dame, dem vorbeiziehenden Geschwätz und dem Klang einer Fahrradklingel. Im Winter werden die Fensterläden geschlossen, das Licht gedämpft und der Blick schärft sich; die Außenwelt wird zu einem Gemälde, eingerahmt vom Glas.

Auffällig ist, wie sich das Publikum an den Raum anpasst. Es gibt zwar kein Schild mit der Aufschrift „Bitte Ruhe“, doch die Leute senken ganz automatisch ihre Stimmen. Es ist keine gedämpfte Ehrfurcht – eher ein gemeinsames Verständnis dafür, dass die Musik der Grund ist, warum man hier ist.

An einem Spätherbstabend hörte ich ein Trio – Kontrabass, gedämpfte Trompete, Nylonsaitengitarre –, das so sanft spielte, dass man die Finger auf den Saiten hören konnte. Hin und wieder fuhr ein Boot vorbei, dessen Lichter über die Decke huschten, und die Musik passte sich dem Moment an, als würde sie den Beitrag der Stadt würdigen.

Die Getränkekarte ist übersichtlich gehalten – guter Wein, gut gemixte Cocktails, ein paar Pariser Craft-Biere. Das Essen ist mehr als nur Bar-Snacks; Käseplatten und Wurstwaren, die durchaus als leichtes Abendessen durchgehen könnten – perfekt, um einen ganzen Auftritt zu genießen, ohne zwischendurch etwas essen gehen zu müssen.

Die „Notre Dame Music Bar“ wirkt wie ein Mikrokosmos der Pariser Hörkultur: Man befindet sich zwar im Herzen eines der meistbesuchten Orte der Welt, doch im Inneren ist man Teil eines kleinen, aufmerksamen Kreises. Die Außenwelt ist zweifellos präsent, rückt jedoch nie in den Vordergrund.

Wenn man nach Mitternacht hinausgeht, die Kathedrale still, der Fluss dunkel, aber in Bewegung, wird einem bewusst, dass diese Nacht nicht nur durch das, was man gehört hat, sondern auch durch den Ort, an dem man es gehört hat, geprägt wurde. Das ist die Art von Erinnerung, die man noch lange nach dem Verhallens der Musik in sich trägt.

Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.

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