Bar A Bar – Der Puls im Untergeschoss von Stoke Newington

Bar A Bar – Der Puls im Untergeschoss von Stoke Newington

Von Rafi Mercer

Neues Angebot

Name des Veranstaltungsorts: Bar A Bar
Adresse: 133–135 Stoke Newington Road, London N16 8BT, Vereinigtes Königreich.
Website: —
Instagram: @barabarldn
Telefon: —
Spotify-Profil: —

Manche Orte liegen direkt vor den Augen, bleiben aber dennoch verborgen. Die Stoke Newington Road ist ein belebter Abschnitt – türkische Restaurants, in denen es bis spät in die Nacht dunstet, vorbeirumpelnde Busse, Kebab-Läden, die im Neonlicht leuchten. Eingebettet zwischen all dem führt eine unscheinbare Tür hinunter zu einem der bestgehüteten Geheimnisse Nordlondons. Bar A Bar ist ein Kellerraum, der nichts beweisen muss: kein pompöses Design, keine Absperrseile, einfach nur ein Ort, an dem der Sound die Währung und die Gemeinschaft der Maßstab ist.

Der Abstieg gibt den Ton an. Eine Treppe, eine niedrige Decke – und schon befindet man sich in einem Raum, der zugleich roh und präzise wirkt. Die Einrichtung ist minimalistisch: schwarze Wände, eine an einer Seite angelehnte Bar, eine Tanzfläche, die eher rechteckig als quadratisch ist. Doch der Verzicht auf Schnörkel ist bewusst gewählt. Hier ist die Anlage selbst die Dekoration. Im Mittelpunkt steht ein Martin-Audio-System, das auf Klarheit und Durchschlagskraft abgestimmt ist und dem Raum eine Wucht verleiht, die seine Größe bei weitem übertrifft. Die Basslinien drängen sich einem entgegen, ohne zu verschwimmen, die Mitten haben Präsenz, die Höhen schimmern, ohne schrill zu wirken. Für einen Keller mit einer Kapazität von 200 Personen ist der Klang verblüffend groß.

Das Programm ist vielseitig, aber stets durchdacht. Das „Bar A Bar“ ist seit langem eine Anlaufstelle für unkonventionelle Elektronik-Nächte, Underground-Kollektive und DJs, die Genregrenzen sprengen. House, Techno, Dub, Drum & Bass und globale Rhythmen wechseln sich ab, wobei den DJs der Freiraum gegeben wird, in die Tiefe zu gehen, anstatt nur an der Oberfläche zu kratzen. Die Intimität des Raums lässt alles noch intensiver wirken: Man steht nur wenige Meter von den Plattentellern entfernt und kann jede Bewegung sehen, jeden Übergang hören, als würde alles nur für einen selbst geschehen. Bei den Abenden hier geht es weniger um Spektakel als vielmehr um das Eintauchen in die Musik.

Die Bar selbst ist schnörkellos: Bier, Spirituosen, eine kleine Auswahl an Cocktails – alles wird ohne viel Aufhebens serviert. Die Preise sind angemessen, das Personal ist zügig und freundlich, der Service passt sich dem Tempo des Abends an. Niemand verweilt lange bei der Speisekarte; man bestellt, nippt an seinem Drink und taucht wieder in die Musik ein. Diese Einfachheit fühlt sich genau richtig an. In einem Raum, in dem Klangtreue im Mittelpunkt steht, dienen die Getränke dazu, einen in Schwung zu halten, nicht abzulenken.

Das Publikum ist eine Mischung aus Einheimischen und Londons weitem Netzwerk von Musikfans. Studenten, DJs, Produzenten, Stammgäste aus der Nachbarschaft, neugierige Besucher, die Gerüchte gehört haben – sie alle strömen in den Keller. Es gibt keine Überheblichkeit, kein Gefühl von Exklusivität. Der Raum selbst stellt alle auf eine Stufe: Sobald man die Treppe hinuntergestiegen ist, ist man Teil desselben Klangfeldes. Diese Demokratie ist Teil des Reizes. Im Gegensatz zu vielen anderen Londoner Veranstaltungsorten setzt die Bar A Bar nicht auf Glanz und Glamour oder Branding. Sie setzt auf Vertrauen – darauf, dass die Leute kommen, wenn die Musik gut und der Sound authentisch ist.

Die Atmosphäre entwickelt sich anders als in größeren Clubs. Bei einer Kapazität von 200 Personen ist der Raum schnell voll, und die Stimmung wird eher intim als frenetisch. Ein DJ-Drop wirkt durch die Nähe noch intensiver; ein Breakdown hält länger in der Luft, weil man spürt, wie alle gemeinsam darauf warten. Es ist ein kollektives Erlebnis, das eher einer Hausparty als einem Superclub ähnelt, aber mit der Klangtreue einer professionellen Anlage wiedergegeben wird.

Was das „Bar A Bar“ so besonders macht, ist, dass es in der Londoner Szene eine feste Größe darstellt. In einer Stadt, in der Veranstaltungsorte oft gezwungen sind, sich zwischen kommerzieller Rentabilität und Underground-Glaubwürdigkeit zu entscheiden, beweist dieser Keller, dass man dem Sound nach wie vor Vorrang einräumen und trotzdem überleben kann. Es ist zwar klein, aber es meint es ernst. Die Nächte hier dauern oft bis in die frühen Morgenstunden, und man geht mit dem Gefühl nach Hause, Teil von etwas Einmaligem gewesen zu sein.

Zurück auf der Stoke Newington Road kehrt der Lärm der Stadt zurück – Busse, Stimmengewirr, das Zischen der Grillgeräte spät in der Nacht. Das grelle Neonlicht wirkt nach der Dunkelheit des Kellers noch schärfer. Doch innerlich spürst du immer noch den Puls des Raums: das Pochen des Basses aus den Martin-Audio-Lautsprechern, das Nachhallen eines gerade erst entdeckten Songs, die Wärme, Teil einer kleinen Menge zu sein, die auf derselben Wellenlänge ist. Das ist das Besondere an Bar A Bar. Es wirbt nicht lautstark, aber für diejenigen, die es kennen, spricht es Bände.

Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.

Zurück zu den Geschichten

Keine Playlist.

Die Zahl der Gründungsmitglieder ist weltweit auf 200 begrenzt. Der „Tracks & Tales Listening Club“ richtet sich an alle, die verstehen, dass Zuhören kein Hintergrundgeräusch ist, sondern dass es darum geht, ganz bei der Sache zu sein.

JETZT MITMACHEN