Hinter den Kulissen: Suonos versteckter Vinyl-Treffpunkt in Bed-Stuy
Von Rafi Mercer
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Suono ist eine der angesehensten „Listening Bars“ in New York City – mehr dazu finden Sie in unserem Leitfaden zu den Musiklokalen in NYC.
Name des Veranstaltungsortes: Suono
Adresse: 333 Greene Avenue, Brooklyn, NY 11238, Vereinigte Staaten
Website: k. A.
Telefon: +1 718-789-1110
Spotify-Profil: k. A.
Das Lustige an Suono ist, dass man direkt daran vorbeigehen kann, ohne überhaupt zu merken, dass es dort ist. Und genau das wird wahrscheinlich auch passieren – es sei denn, man hat oben in der Bar Camillo einen Tisch reserviert, um dort Pinsa nach römischer Art und Spritz zu genießen, und jemand, der sich auskennt, beugt sich zu einem herüber und fragt: „Warst du schon mal im Keller?“
Wenn man eine schmale Treppe hinuntergeht, verändert sich die Atmosphäre. Die Wärme von frisch gebackenem Teig und das Klirren von Gläsern aus dem Obergeschoss weichen einer ruhigeren, kühleren Stimmung. Auf einem kleinen Schild an der Wand steht schlicht: „Suono“. Der Raum selbst besteht aus kaum mehr als einer Handvoll Tischen und einer Ecke, in der zwei Plattenspieler, ein kleines Mischpult und Regale mit Schallplatten stehen. Doch sobald die Nadel auf die Platte aufsetzt, wird klar: Hier geht es nicht um Größe. Hier geht es um Konzentration.
Die Anlage ist zwar kompakt, überzeugt aber durch ihre präzise Ausführung. Alles ist auf Klangtreue bei geringer Lautstärke abgestimmt – man hört den gesamten Titel, von der Basslinie bis zum Pinselstrich, ohne die geringste Verzerrung. Die Lautsprecher sind so positioniert, dass der Klang, egal wo man sitzt, so ankommt, als wäre er nur für einen selbst bestimmt. Man könnte sich fast vorstellen, bei einem Freund zu sein – vorausgesetzt, dieser Freund hätte einen tadellosen Geschmack und die Mittel, einen perfekten Hörraum einzurichten.
Bei „Suono“ wird ausschließlich auf Vinyl aufgelegt, und die DJs gestalten ihre Sets wie ein Gespräch. Man hört dieselbe Platte an einem Abend nicht zweimal, es sei denn, das ist beabsichtigt – als Thema, als Variation oder als sich entfaltende Geschichte. An einem Donnerstag im April lautete das Thema „Italienische Sommernächte“, das mit Pino Daniele begann, in obskure Bossa-Nova-Importe überging und irgendwie bei einem langsamen Italo-Disco-Track landete, der den ganzen Raum zum Schwingen brachte.
Die ungeschriebene, aber unumstößliche Regel hier lautet: Man unterbricht die Musik nicht mit Gesprächen, und wenn doch, dann spricht man leise. Die meisten Gäste nippen an einem Glas Wein oder einem Cocktail aus dem Obergeschoss und blättern zwischen den Sets gelegentlich durch die ausgestellten Plattenhüllen. Die Beleuchtung ist so gedämpft, dass die Zeit ein wenig verfliegt, und man verliert leicht den Überblick darüber, wie lange man schon hier ist.
Da der Raum klein ist, nimmt man die DJs viel genauer wahr – wie sie mit den Schallplatten umgehen, mit welcher Sorgfalt sie die Platten auflegen und in welchen Momenten sie sich zurücknehmen und dem Titel Raum zum Atmen geben. Es ist fast schon meditativ, und man merkt, wie man noch aufmerksamer zuhört und Details in bekannten Songs entdeckt, von denen man gar nicht wusste, dass sie da sind.
Hin und wieder kommt jemand aus dem Obergeschoss herein, neugierig. Er verweilt in der Tür, lässt den Raum auf sich wirken und entscheidet sich dann entweder dafür – sucht sich einen Stuhl und lässt sich auf die Stimmung ein – oder zieht sich leise zurück, weil er spürt, dass dies ein Ort ist, an dem das Eintreten auch Teilnahme bedeutet.
Suono wirkt wie ein Geheimnis, aber keines, das eifersüchtig gehütet wird. Es ist die Art von Ort, von dem man den richtigen Leuten erzählt, weil man weiß, dass sie verstehen werden, worum es dabei geht. Es ist keine Hintergrundmusik für einen Abend in der Stadt; es ist ein Abend in Gesellschaft der Musik, direkt unter der Oberfläche der Stadt.
Wenn man die Treppe wieder hinaufsteigt, zurück in das geschäftige Treiben der Bar Camillo, ist der Unterschied auffällig. Das Geschwätz, das Klappern der Teller, das grelle Licht – all das, was man zurückgelassen hat, kehrt auf einmal zurück. Doch es gibt etwas, das man mit sich trägt, einen Nachhall von Klängen, der die Energie im Obergeschoss fast schon zu hektisch wirken lässt. Daran erkennt man, dass das „Suono“ seine Wirkung entfaltet hat: Es verlangsamt einen, sodass man beim Verlassen des Lokals wieder spürt, wie sich das richtige Tempo wirklich anfühlt.
Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.
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