BierWax – Brooklyn-Groove vom Fass
Von Rafi Mercer
Neues Angebot
Name des Veranstaltungsortes: BierWax
Adresse: 556 Vanderbilt Avenue, Prospect Heights, Brooklyn, New York 11238, Vereinigte Staaten.
Website: bierwax.com
Instagram: @bierwax
Telefon: +1 347-533-8449
Brooklyn ist ein Stadtteil, der selten schläft. Vor allem Prospect Heights hat seinen ganz eigenen Rhythmus: Familien beim Brunch, das Brummen der U-Bahn auf der Atlantic Avenue, die zahlreichen Bars entlang der Vanderbilt Avenue, sobald es dunkel wird. Doch an einer Ecke befindet sich ein Lokal, das einen ganz anderen Klang verströmt. BierWax ist eine Craft-Beer-Bar, die ganz im Zeichen von Vinyl steht – ein Ort, an dem das Pintglas und die Plattenhülle den gleichen Stellenwert haben und an dem das Musikhören Teil des alltäglichen gemeinsamen Trinkens ist.
Der Name sagt es schon: Bier und Vinyl, Zapfhähne und Schallplatten. Im Inneren sind die Wände mit Regalen gesäumt, die bis zum Rand mit Schallplatten gefüllt sind – mehr als 5.000 Stück, die meisten davon Hip-Hop, Jazz, Funk und Soul. Der Gründer, Chris Maestro, ist sowohl Bierkurator als auch leidenschaftlicher Schallplattensammler, und der Raum wirkt wie eine öffentliche Verkörperung seiner doppelten Leidenschaft. Wenn man an einem beliebigen Abend hereinkommt, wird man von einem bereits laufenden Plattenspieler begrüßt, einem DJ, der sorgfältig Tracks auflegt, und einer Reihe von Zapfhähnen, aus denen Craft-Biere aus New York und weit darüber hinaus fließen.
Der Klang entspricht nicht der Lautstärke in einem Club, sondern der eines Raums – so abgestimmt, dass man sich in die Musik versenkt fühlt, ohne schreien zu müssen. Das System zeichnet sich durch Wärme und Präsenz aus, sodass ein Titel von A Tribe Called Quest detailreich zur Geltung kommt oder ein Trompetensolo von Donald Byrd luftig erklingt. Der Bass ist präsent, ohne zu überwältigen; die Höhen erstrecken sich, ohne schrill zu wirken. Das Ergebnis ist, dass man an der Bar sitzen, ein Stout schlürfen und trotzdem das Knacken einer Snare wahrnehmen oder sich unterhalten kann, während man im Takt mitwippt. Es ist Klangtreue, die auf Gemeinschaft ausgelegt ist, nicht auf Isolation.
Die Bierkarte ist genauso umfangreich wie die Plattensammlung. Zwanzig wechselnde Zapfhähne bieten alles von lokalen „Hazy IPAs“ über importierte belgische Sauerbiere bis hin zu fassgelagerten Stouts und spritzigen Pilsnern. Das Personal kennt sich bestens mit den Geschmacksrichtungen aus und kann dir ein Bier empfehlen, das perfekt zum Soundtrack des Abends passt. Die Kombination wird Teil des Erlebnisses: ein rauchiges Porter, während Coltrane spielt, ein helles Saisonbier passend zu Afrobeat, ein Double IPA, das scharf zu Boom-Bap-Drums passt. Das ist Kuration in Reinkultur.
Das Programm sorgt für Leben im Raum. Resident-DJs und Gast-DJs wechseln sich ab, jeder bringt seine eigene Plattensammlung mit. Hip-Hop ist das Rückgrat – BierWax gilt als eine der wenigen echten Hip-Hop-Craft-Beer-Bars weltweit –, aber der Sound bleibt nie gleich. Funk, Reggae, Latin, House und Jazz finden ihren Weg auf die Plattenteller, und das Publikum folgt. Die Leute kommen nicht wegen eines bestimmten Genres; sie kommen, weil sie darauf vertrauen, dass der Club Qualität bietet.
Die Atmosphäre ist demokratisch. Anwohner aus der Nachbarschaft schauen nach der Arbeit vorbei, Bierliebhaber kommen aus Manhattan über den Fluss, Musikfans machen es sich für lange Abende gemütlich, und Besucher von außerhalb pilgern hierher. Die Stimmung ist lebhaft, aber selten ausgelassen, getragen von den beiden Grundpfeilern: Respekt vor dem Bier und Respekt vor der Schallplatte. Man spürt schnell, dass die Stammgäste diesen Ort wie ihren Augapfel hüten: Er ist wichtig, weil er einer der wenigen Orte ist, an denen zwei Leidenschaften – Craft-Bierbrauen und Plattensammeln – mit gleicher Ernsthaftigkeit aufeinandertreffen.
BierWax hat sich zudem zu einer Plattform entwickelt. Die Bar veranstaltet Listening-Partys, Künstler-Showcases und in den wärmeren Monaten sogar Open-Air-Sessions. Sie arbeitet mit Brauereien bei Sondereditionen zusammen und setzt damit ihre eigenen Akzente in der Bierwelt – genauso wie ihre DJs jeden Abend den Raum mit ihren Beats zum Beben bringen. Diese Verbindung verschafft ihr eine Reichweite, die weit über Prospect Heights hinausgeht – ein Modell, das nun durch einen zweiten Standort in Queens erweitert wurde, was beweist, dass die Idee auf breite Resonanz stößt.
Was das BierWax so einzigartig macht, ist seine Weigerung, bei beiden Aspekten seines Namens Kompromisse einzugehen. In vielen Bars dienen Schallplatten als Dekoration; hier bilden sie das Fundament. In vielen Bierbars laufen Playlists im Hintergrund; hier wird die Musik live zusammengestellt, jeder Titel ist eine bewusste Wahl. Zusammen bilden diese beiden Elemente einen ganz eigenen Rhythmus. Man trinkt langsamer, hört genauer hin und bleibt länger, als man eigentlich vorhatte. Das ist das Kennzeichen einer echten „Listening Bar“, auch wenn sich ihre Sprache von der der Tokioter „Kissaten“ unterscheidet.
Sobald man auf die Vanderbilt Avenue tritt, geht das Nachtleben von Brooklyn weiter: Autos fahren vorbei, Gespräche ergießen sich auf die Treppen vor den Häusern, das Pulsieren der Stadt ist nur wenige Blocks entfernt zu spüren. Doch man trägt etwas mit sich – die Erinnerung an einen Song, den man seit Jahren nicht mehr gehört hat, den Geschmack eines Bieres, das einen überrascht hat, das Gefühl, dass diese beiden Dinge an diesem Abend miteinander im Dialog standen. BierWax zeigt, dass Hörbars keine Tempel der Stille sein müssen; sie können gesellige Räume sein, in denen Bier und Musik gleichberechtigt nebeneinander stehen. In New York fühlt sich das wie der wahrhaftigste Ausdruck der Stadt an: vielfältig, demokratisch und tief im Einklang.
Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.