LB’s Record Bar Melbourne – Eine Bar zum Vinylhören im Stadtzentrum

Von Rafi Mercer

Neues Angebot

Name des Veranstaltungsortes: LB’s Record Bar
Adresse: 12 Meyers Place, Melbourne VIC 3000, Australien
Website: —
Instagram: https://www.instagram.com/lbsrecordbar

Melbourne hat schon immer verstanden, dass Musik am besten in den Zwischenräumen gedeiht. Nicht in den offensichtlichen Räumen, nicht auf den großen Bühnen, sondern in den Gassen, wo der Klang zwischen Mauerwerk und Gesprächen hervordringt. Der Meyers Place ist seit langem eine dieser Lebensadern – ein schmaler Durchgang durch die Innenstadt, in dem Jazz, Cocktails und lange Nächte gelernt haben, miteinander zu koexistieren. LB’s Record Bar reiht sich selbstbewusst in diese Tradition ein, nicht indem sie lauter schreit, sondern indem sie Vinyl als ihr Rückgrat wählt.

Man spürt es sofort. Dies ist keine Bar, in der Schallplatten nur als Dekoration dienen. Es ist eine Bar, in der Schallplatten den Ton angeben. Der Raum ist kompakt, gesellig, bewusst intim – eine hufeisenförmige Bar bildet den Mittelpunkt des Raums, die Gäste beugen sich nach innen, die Aufmerksamkeit richtet sich ganz natürlich auf die Plattenspieler. Der Klang ist nicht museal leise; er ist lebendig, warm, menschlich. Vinyl ist hier kein kostbares Sammlerstück, sondern etwas Aktives – Schallplatten werden gespielt, weil sie den Raum in Bewegung versetzen, nicht weil sie Ehrfurcht verdienen.

Das LB’s befindet sich in jener reizvollen Schnittmenge zwischen Musikgenuss und Nachtleben, die Melbourne so einzigartig macht. Die DJs stammen aus der Region, wechseln regelmäßig und sind tief in der Plattenkultur der Stadt verwurzelt. Die Musikauswahl ist breit gefächert und keineswegs dogmatisch – Soul, Disco, Funk, experimentelle Elektronik, der eine oder andere Überraschungs-Track –, wobei der Fokus eher auf dem richtigen Tempo als auf einer Show liegt. Man wird nicht vorgeschrieben, was man fühlen soll; man wird langsam an einen anderen Ort entführt, mit einem Drink in der Hand.

Das Bar-Programm spiegelt diese Lässigkeit ganz bewusst wider. Die Cocktails sind modern, selbstbewusst und schnörkellos – Drinks, die so konzipiert sind, dass sie sich gut in Gespräche und die Atmosphäre einfügen, anstatt diese zu unterbrechen. Hier herrscht eine unverkennbare nächtliche Raffinesse: Aromen, die auch dann noch überzeugen, wenn sich der Raum füllt; Eis, das lange hält; und die Art des Einschenkens, die zum Verweilen einlädt, statt zur Eile anzuregen. Das Essen, sofern es angeboten wird, unterstützt das Erlebnis, anstatt davon abzulenken – kleine Gerichte zum Teilen, die zum Verweilen einladen.

Was LB im Kontext der Hörkultur so besonders macht, ist seine Weigerung, übermäßig belehrend zu sein. Dies ist weder ein Hi-Fi-Tempel, der Stille verlangt, noch ein Club, in dem es nur um Lautstärke geht. Es liegt genau dazwischen – eine gesellige Hörbar, in der Musik zwar eine Rolle spielt, die Menschen aber genauso wichtig sind. Die Anlage ist dazu da, den Raum zu unterstützen, nicht ihn zu dominieren. Die Schallplatten sind dazu da, Menschen miteinander zu verbinden, nicht sie in Experten und Laien zu trennen.

Für „Tracks & Tales“ verkörpert die LB’s Record Bar eine typisch melbournerische Interpretation des Konzepts einer „Listening Bar“: ungezwungen, selbstbewusst, kulturell versiert und ohne Scheu vor dem Vergnügen. Es ist die Art von Ort, in den man „nur auf ein Gläschen“ hereinschaut und den man zwei Stunden später mit einer neuen Platte im Kopf und einem Grund, wiederzukommen, verlässt.


Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt.
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