„Living Room of the Night“: „Mein Haus am See“ – eine endlose Reise durch Berlin
Von Rafi Mercer
Neues Angebot
„Mein Haus am See“ ist eine der renommiertesten Listening-Bars Berlins – mehr dazu erfahren Sie in unserem Leitfaden zu den Berliner Musiklokalen.
Name des Veranstaltungsortes: Mein Haus am See
Adresse: Brunnenstraße 197–198, 10119 Berlin, Deutschland
Website: mein-haus-am-see.blogspot.com
Telefon: +49 30 2758 2078
Spotify-Profil: k. A.
Man kann mittags ins „Mein Haus am See“ kommen, bei Sonnenaufgang wieder gehen und hat dennoch nie das Gefühl, den Ort verlassen zu haben. Es ist einer dieser Berliner Orte, an denen die Zeit stillzustehen scheint – zum Teil, weil er fast rund um die Uhr geöffnet ist, vor allem aber, weil er zum Verweilen einlädt.
Die Einrichtung ist eine Mischung aus Berlins Lieblingselementen: Vintage-Sofas, zusammengewürfelte Sessel, abgenutzte Holzböden und eine Beleuchtung, die aussieht, als stamme sie aus drei verschiedenen Epochen. Bücherregale ziehen sich die Wände hinauf, doch das Herzstück des Raums ist die Musik. In einer Ecke befindet sich eine Sitzecke mit Plattenspielern und einer bescheidenen, aber sorgfältig zusammengestellten Vinylsammlung – die Quelle eines stetigen, leisen Soundtracks, der den Raum zu einem Ganzen verbindet.
Tagsüber funktioniert es fast wie ein Bibliothekscafé. Freiberufler tippen auf ihren Laptops, Freunde treffen sich auf einen ausgiebigen Kaffee, und die Musikauswahl reicht von Jazz über Folk bis hin zu sanfter Elektronik. Die Lautstärke ist niedrig genug, um arbeiten zu können, aber gerade hoch genug, dass man es bemerkt, wenn ein seltener Groove läuft.
Am Abend verändert sich die Stimmung, ohne dass der Raum dabei seine gemütliche Atmosphäre verliert. Die Musik wird funkiger, die Basslinien tiefer, und die Beleuchtung wird gerade so weit gedimmt, dass der ganze Raum sanft leuchtet. Es gibt keine richtige Tanzfläche, aber die Leute bewegen sich – zwischen den Tischen, entlang der Bar, um die Ecken herum –, als würde der Raum selbst atmen.
Der Zauber von „Mein Haus am See“ liegt darin, wie es mit Übergängen umgeht. Es ist kein Ort, an dem man „wegen der Musik kommt und wegen der Getränke bleibt“ – oder umgekehrt. Es ist eine einzige, fortwährende Einladung, ganz gleich, ob man für einen schnellen Espresso, ein paar Stunden mit einem Buch oder einen spontanen Heimweg um 4 Uhr morgens hier ist.
In Berlin gibt es unzählige Bars, deren Identität darauf beruht, dass sie bis spät in die Nacht geöffnet sind. Nur wenigen gelingt es jedoch, diesen langen Abend sinnvoll zu gestalten. Hier wird die Zeit nicht einfach nur ausgefüllt, sondern untermalt – mit Musik, die so ausgewählt ist, dass man sich irgendwo zwischen der Gegenwart und einem angenehmen Gefühl des Losgelöstseins bewegt.
Und wenn man schließlich geht und in die Berliner Morgendämmerung blinzelt, fühlt es sich weniger so an, als würde man einen Veranstaltungsort verlassen, sondern eher so, als würde man aus dem unendlich einladenden Wohnzimmer eines anderen treten – einem, das zufällig eine bessere Plattensammlung hat als das eigene.
Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.
Mehr entdecken: Sehen Sie sich unsere „Listening Bars“-Kollektion für Veranstaltungsorte weltweit an.