Lola’s Hi/Lo Lounge – Madisons Vinyl-Oase

Lola’s Hi/Lo Lounge – Madisons Vinyl-Oase

Von Rafi Mercer

Neues Angebot

Name des Veranstaltungsortes: Lola’s Hi/Lo Lounge
Adresse: 617 North Sherman Avenue, Madison, Wisconsin 53704, Vereinigte Staaten.
Website: lolasmadison.com
Instagram: @lolasmadison

Schon der Name lässt die Philosophie erahnen: Hi/Lo – High Fidelity, wenig Schnickschnack. Lolas „Hi/Lo Lounge“ liegt an einem ruhigen Abschnitt der North Sherman Avenue in Madison und sieht von außen eher wie ein Diner aus der Mitte des letzten Jahrhunderts aus als wie ein Hi-Fi-Tempel. Doch sobald man die Türschwelle überschreitet, findet man einen Raum voller Kontraste vor: teils Cocktailbar, teils Plattenlounge, teils Nachbarschaftskneipe – und alles verbunden durch den Klang.

Die Beleuchtung ist gedämpft, die Luft warm. An einer Wand bildet eine Galerie alter Albumcover ein buntes Mosaik; an einer anderen glänzt ein Plattenspieler im Scheinwerferlicht. Nischen aus dunklem Holz säumen den Raum, jede mit ihrer eigenen Privatsphäre, und irgendwo in der Ferne erklingt leise eine Trompete aus den Lautsprechern. Man riecht den Geruch von angebranntem Teig aus der Küche, hört das leise Klirren von Gläsern und spürt die Proportionen des Raums, noch bevor man das Design überhaupt wahrnimmt. Alles im „Lola’s“ ist darauf ausgelegt, den Klang zu dämpfen.

Die Inhaber Matt und Tori Gerding haben die Lounge gemeinsam mit Küchenchef Evan Dannells als das gestaltet, was sie als „Hi-Fi-Liebesbrief an die Low-Brow-Kultur“ bezeichnen . Die Idee war, Handwerkskunst und Gemütlichkeit zu verbinden – einen Ort zu schaffen, an dem man einen Burger essen oder einen Negroni genießen kann, während man einer Langspielplatte lauscht, die richtig abgespielt wird. Das Team ließ sich von der japanischen Jazz-Kissa-Tradition inspirieren – Räumen, in denen Musik wie eine Zeremonie behandelt wird – und übertrug diese Disziplin auf die Herzlichkeit von Wisconsin.

Die Anlage ist analog und wird liebevoll gepflegt. Schallplatten werden in voller Länge abgespielt; DJs und Selektoren werden dazu ermutigt, die einzelnen Seiten in ihrer ganzen Länge erklingen zu lassen. Vintage-Verstärker versorgen Lautsprecher, die sorgfältig so positioniert sind, dass sie den schmalen Raum ausfüllen, ohne ihn zu überladen. An den Wänden hängen Akustikplatten – nicht zur Dekoration, sondern zur Klangsteuerung. Sobald eine Schallplatte läuft, wird sofort klar: Jede Note kommt gleichmäßig zur Geltung, jedes Detail ist hörbar. Selbst wenn die Bar voll ist, kann man noch den Nachhall eines Beckenschlags durch die Gespräche hindurch wahrnehmen.

Dieser Respekt vor dem Klang spiegelt sich auch im Programm wider. Wöchentlich finden „Vinyl Listening Parties“ statt – bei denen ganze Alben durchgespielt werden, während die Gäste sitzen, etwas trinken und einfach nur zuhören. Die Musikauswahl reicht von Miles Davis bis Massive Attack, von Soul über Ambient bis hin zu Deep Disco. Andere Abende sind energiegeladener: Bei den „Global Groove“-Sessions verschmelzen Afrobeat, Latin und Jazz; manchmal übernimmt ein lokaler DJ das Ruder für eine „True North“-Nacht mit zeitgenössischer Elektronikmusik. Doch selbst wenn das Tempo steigt, bleibt die Grundhaltung dieselbe – die Musik steht an erster Stelle, alles andere dient diesem Ziel.

Auch an der Bar wird der Fokus auf Handwerkskunst beibehalten. Das Getränkeangebot reicht von klassischen Cocktails – Old Fashioneds, Negronis, Sidecars – bis hin zu Naturweinen und regionalen Bieren. Hier gibt es keine Effekthascherei, kein molekulares Theater; nur Präzision und Qualität. Die Speisen sind herzhaft, aber raffiniert: Pizzen aus dem Steinofen, Gerichte zum Teilen, Knödel und Snacks, die für lange Stunden und lange Gespräche gemacht sind. Es ist Tavernenessen, gefiltert durch einen Hi-Fi-Ansatz – befriedigend, gefühlvoll und auf unaufdringliche Weise raffiniert.

Das Design schlägt eine Brücke zwischen verschiedenen Epochen. Es versprüht die Atmosphäre einer Cocktail-Lounge aus den 1960er Jahren – bernsteinfarbenes Licht, gemusterte Stoffe, Chromkanten –, wurde jedoch mit der Präzision eines Ingenieurs modernisiert. Ein Raum strahlt wie ein Plattenladen nach Ladenschluss; ein anderer wirkt fast wohnlich, wie ein Wohnzimmer, in dem jedes Detail akustisch getestet wurde. Es ist bewusst filmisch inszeniert: Man könnte sich vorstellen, wie sich hier eine Filmszene abspielt, in der eine Plattenspitze die Stille durchbricht.

Was Lola’s von anderen „Vinyl-Bars“ unterscheidet, ist seine Großzügigkeit. Viele Hörräume wirken streng und verlangen Ehrfurcht; Lola’s lädt hingegen zur Teilnahme ein. Die Stammgäste kennen sich mit Schallplatten aus, sind aber keine Snobs. Paare lassen sich für ein Date in die Sitznischen gleiten, Studenten treffen sich nach der Arbeit, und Audiophile kommen von außerhalb der Stadt hierher, nur um zu hören, was gerade auf dem Plattenspieler läuft. Die Barkeeper sprechen über Schallplatten genauso ungezwungen wie über Roggenwhiskey. In dieser Gastfreundschaft liegt eine Bescheidenheit, die die High Fidelity im Alltag verankert.

Madison ist keine Stadt, die für Exzesse bekannt ist. Hier werden Ausgewogenheit, Verbundenheit und Substanz großgeschrieben. Lola’s verkörpert genau dieses Ethos – eine Bar, die sich zugleich intim und offen, raffiniert und doch vertraut anfühlt. An jedem beliebigen Abend mag die Musik eher in Richtung Jazz gehen, das Publikum eher gesprächig sein, das Licht mag den Rand einer Schallplattenhülle genau richtig einfangen – und plötzlich ist der ganze Raum im Takt. Man merkt, dass man schon seit Stunden zuhört, ohne auf sein Handy zu schauen, und die Platte hat kein einziges Mal gesprungen.

Wenn man auf die North Sherman Avenue tritt, fühlt sich die Nachtluft kalt und still an. Autos fahren in ihrem eigenen Rhythmus vorbei, fern und dumpf. Drinnen summt Lola’s weiter – der Bass tief, das Lachen warm, der Klang dringt klar durch die Wände. Es ist nicht einfach nur eine weitere Bar; es ist eine Frequenz. Eine Erinnerung daran, dass „hoch“ und „tief“ keineswegs Gegensätze sind – sie sind ein und dasselbe Signal, perfekt aufeinander abgestimmt.

Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.

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