Mad Cats: Ein Vinyl-Spielplatz, versteckt in den Seitenstraßen von Shoreditch

Mad Cats: Ein Vinyl-Spielplatz, versteckt in den Seitenstraßen von Shoreditch

Von Rafi Mercer

Neues Angebot

Name des Veranstaltungsortes: Mad Cats
Adresse: 6 Redchurch Street, Shoreditch, London E2 7DP, Vereinigtes Königreich
Website: madcats.uk

„Mad Cats“ ist einer dieser Namen, die einem schon im Kopf nachhallen, noch bevor man überhaupt einen Fuß hineingesetzt hat. In der Redchurch Street in Shoreditch, in einem Abschnitt, der ohnehin schon vor Modeboutiquen und Cocktailbars nur so wimmelt, versucht es nicht, die Straße zu dominieren. Stattdessen lockt es einen seitwärts in einen Raum, der sich erst dann ganz offenbart, wenn man die Tür hinter sich gelassen hat. Ist man erst einmal drinnen, wird einem klar, dass man in eine von Vinyl-Platten geprägte Oase geraten ist, die halb Clubhaus, halb Spielplatz wirkt – eine Umgebung, in der Musik nicht einfach nur angeboten, sondern provoziert wird.

Der erste Eindruck ist ein Raum voller Texturen – unverputzte Ziegelwände, sanfte Lampen, Regale voller Schallplatten, die sowohl aus Stolz als auch aus praktischen Gründen gestapelt sind. Es hat weder den polierten Glanz von Spiritland noch die von Holzvertäfelungen geprägte Ruhe von Brilliant Corners; stattdessen setzt Mad Cats auf eine verspielte Ästhetik, als wolle es sagen, dass Musikhören sowohl schelmisch als auch andächtig sein kann. Die Lautsprecher säumen den Raum nicht wie Denkmäler, sondern wie Freunde im Raum, bereit, die Unterhaltung auf eine neue Ebene zu heben. Der Klang ist warm, an den Rändern ein wenig rau – gerade so viel, dass man sich bewusst bleibt, dass das, was man hört, lebendig ist und nicht museal steril.

In Shoreditch mangelt es nicht an Bars, die Schallplatten als Dekoration nutzen, doch das Mad Cats geht über das Oberflächliche hinaus. Die Plattenspieler stehen im Mittelpunkt, und die DJs behandeln Vinyl hier wie ein lebendiges Archiv. Die Abende sind vielseitig – Soul trifft auf Punk, Disco verschmilzt mit Deep House, eine Jazzplatte wird ohne Vorwarnung aufgelegt, um den Puls zu verlangsamen, bevor er wieder angeheizt wird. Es fühlt sich eher wie ein Gespräch als wie ein Set an – genau die Art von Erlebnis, bei der man einen Blick auf das Plattenspieler-Pult wirft und sich fragt, wie diese Platte nach fünfzig Jahren noch so frisch klingen kann. Das Programm zieht sowohl eingefleischte Fans als auch Gelegenheitsbesucher an, und die Mischung aus beiden sorgt für eine fließende Energie.

Die Bar selbst trägt ebenso zur Atmosphäre bei wie die Musik. Die Drinks hier sind einfallsreich, ohne prätentiös zu sein – eine Cocktailkarte, die sowohl an die klassische Shoreditch-Mixologie als auch an japanische Listening-Bar-Traditionen anknüpft. Ein Negroni wird mit sicherer Hand gerührt, aber man findet hier auch Kreationen auf Sake-Basis oder Aufgüsse, die auf die tropischen Funk-Platten anspielen, die im Hintergrund laufen. Es ist ein Ort, an dem die Karte im Dialog mit dem DJ zu stehen scheint, und jeder Schluck gewinnt eine neue Dimension, sobald der Groove an Intensität gewinnt.

Mad Cats gibt nicht einmal vor, zeitlos zu sein. Es verkörpert ganz klar das heutige Shoreditch – lebhaft, ungeschliffen, ein wenig chaotisch, aber mit einem pulsierenden Herzen. An den Wänden hängen mit Graffiti verzierte Kunstwerke, Kisten voller Schallplatten werden ständig durchgesehen, und die Gespräche fließen schneller als die Cocktails. Es geht nicht darum, perfekt zu sein, sondern darum, im Hier und Jetzt zu sein. Und genau das unterscheidet es von den sorgfältiger kuratierten Orten, die man anderswo in der Stadt findet. Vergleicht man es mit dem „Nine Lives“, wo die Atmosphäre entspannt und tropisch ist, oder mit dem „Jumbi“ in Peckham, wo afro-karibische Einflüsse den Sound prägen, wird deutlich, was das „Mad Cats“ auszeichnet. Es lebt von seiner Lässigkeit, von der Freude an der Überraschung und von der Vorstellung, dass Musik etwas Lebendiges und Unvorhersehbares ist.

Verbringt man hier ein paar Stunden, bemerkt man, wie sich hier verschiedene Gemeinschaftsebenen bilden. Einheimische, die nach der Arbeit vorbeischauen, DJs, die einfach nur zum Abhängen vorbeikommen, Gruppen, die diesen Ort als ihre private Ecke im Nachtleben von Shoreditch betrachten. Der Raum strahlt eine gewisse Großzügigkeit aus, das Gefühl, dass man sich so lange aufhalten darf, wie man möchte – vorausgesetzt, man respektiert die Musik. Das Personal verstärkt diese Stimmung – entspannt, ohne Eile, Teil der Nacht, statt davon getrennt. Man fühlt sich weniger wie ein Kunde, sondern eher wie ein Teil von etwas Fließendem.

Auffällig ist, wie Mad Cats den rastlosen Geist von Shoreditch einfängt und sich gleichzeitig in der globalen Tradition der Hörbars verankert. Es ist weder Tokios akribisches „Kissaten“ noch Berlins strenge Hi-Fi-Höhlen, sondern es bedient sich bei beiden. Die Verehrung für Vinyl ist vorhanden, wird aber durch die Bereitschaft ergänzt, die Regeln zu beugen, einen überraschenden Track aufzulegen und den Raum den Abend ebenso prägen zu lassen wie der DJ. Diese Mischung aus Respekt und Respektlosigkeit ist seine Stärke – es kennt die Tradition, weigert sich aber, sich von ihr einschränken zu lassen.

Wenn man das „Mad Cats“ verlässt und zurück auf die Redchurch Street geht, wirkt das pulsierende Nachtleben von Shoreditch lauter und intensiver – als wäre man gerade von einer Ebene der Stadt in eine andere getreten. Man trägt das Echo der noch laufenden Platten mit sich, das Gefühl, dass die Zeit durch die Fähigkeit der Musik, einen aus der Hektik herauszureißen, gedehnt und verzerrt wird. Es ist nicht ausgefeilt, nicht perfekt, aber vielleicht bleibt es einem gerade deshalb so lange im Gedächtnis. Das „Mad Cats“ verlangt nicht, dass man es wie einen Tempel behandelt; es lädt einen ein, mitzumachen, und durch diese Einladung wirkt es lebendig.


Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Weitere Geschichten aus „Tracks & Tales“ finden Sie unter Abonnieren, oder Klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.

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