Middle Room Bangalore – Eine „Listening Bar“ für intensives Klangerlebnis

Von Rafi Mercer

Neues Angebot

Name des Veranstaltungsortes: Middle Room
Adresse: Courtyard, KH Road, Bengaluru, Karnataka, Indien.
Website:
Instagram: @middleroomblr

Bengaluru ist eine Stadt der Begegnungen. Staus verschlingen sich zu einem eigenen Rhythmus, Tech-Campus leuchten bis spät in die Nacht im Neonlicht, und in den Cafés herrscht ein reges Stimmengewirr, das kaum einmal verstummt. In diesem Trubel wirkt das „Middle Room“ wie ein Geheimtipp. Versteckt im „Courtyard“, einem Kreativkomplex an der KH Road, ist es eine kleine Bar mit einer ganz großen Idee: Um die Welt richtig wahrzunehmen, muss man manchmal eine Tür schließen.

Diese Tür führt in einen Raum mit dreiunddreißig Plätzen, die nicht für Spektakel, sondern im Zeichen der Symmetrie angeordnet sind. Jeder Winkel und jede Fläche wurde sorgfältig durchdacht. Die Wände sind behandelt, die Ecken abgerundet, die Beleuchtung gedämpft. Zunächst wirkt alles schlicht, fast streng, bis die Musik einsetzt. Dann versteht man es. Das System ist analog, ausgestattet mit Danley Synergy Horn-Lautsprechern und Tapped-Horn-Subwoofern, so kalibriert, dass jedes Detail seinen Platz findet. Eine Bassdrum hat Tiefe, klingt aber niemals dumpf. Ein Saxophon behält seine Schärfe, ohne zu stechen. Der Raum wurde so abgestimmt, dass jeder Zuhörer das gleiche Erlebnis genießt: Klangtreue ohne Ermüdung.

Das Angebot ist breit gefächert. Jazz-Klassiker aus der Blue-Note-Ära finden hier ihren Platz neben Funk-Singles, Disco-Raritäten, LPs mit klassischer indischer Raga-Musik und zeitgenössischen Elektronik-Veröffentlichungen. Die Auswahl wechselt jeden Abend, oft durch hauseigene DJs, denen es ebenso darum geht, euch etwas Neues zu präsentieren, wie das Publikum zu begeistern. Dies ist kein Ort für Musikwünsche. Es ist ein Ort des Vertrauens. Ihr vertraut darauf, dass das System, der DJ und der Ort selbst euch mitreißen.

Auch bei den Getränken gilt derselbe Ansatz. Eine kleine Auswahl an Cocktails, Whisky-Sorten und leichten Häppchen rundet den Abend ab. Nichts ist protzig, nichts lenkt ab. Das Essen und die Getränke sorgen einfach dafür, dass man länger bleiben und noch tiefer in die Musik eintauchen kann. Das Personal bewegt sich unauffällig und ist sich sicher, dass der Fokus woanders liegt.

Das Besondere am „Middle Room“ ist, wie es eine alte Tradition an eine indische Stadt im Wandel anpasst. Die japanischen Jazz-Kissaten der 1960er Jahre legten Wert auf Stille und Reinheit; im „Middle Room“ steht die Präsenz im Vordergrund. Man wird hier nicht dazu aufgefordert, still zu sein, aber man bekommt Lust, zuzuhören. Die Gespräche fließen, aber leise und natürlich, als hätte die Akustik selbst sie gestimmt. In einer Stadt, in der oft die Lautstärke siegt, ist das revolutionär.

Bengaluru wird seit langem als Indiens Silicon Valley bezeichnet, doch „Middle Room“ erinnert daran, dass es auch Indiens „Listening Valley“ ist – eine Stadt mit Ohren, die weit genug offen sind, um Coltrane und karnatische Musik gleichermaßen willkommen zu heißen. Man verlässt den Raum ruhiger, gelassener und besser auf den Rhythmus eingestimmt. Kehrt man auf die KH Road zurück, überrollt einen der Lärm wieder, doch man trägt etwas Beständiges in sich – das Gefühl dafür, wie es sich anfühlt, wirklich zu hören.

Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Für weitere Geschichten aus „Tracks & Tales“, abonnieren, oder hier klicken, um mehr zu lesen.

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