Solar Myth – Philadelphia / Kaffee · Schallplatten · Live-Musik

Solar Myth – Philadelphia / Kaffee · Schallplatten · Live-Musik

Von Rafi Mercer

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Name des Veranstaltungsortes: Solar Myth
Adresse: 1131 S Broad Street, Philadelphia, Pennsylvania 19147, USA
Website: https://solarmythbar.com
Instagram: https://www.instagram.com/solarmythbar/

Es gibt Orte, an denen Musik als Unterhaltung dient. Sie ist im Raum präsent wie eine Tapete, füllt die Stille aus, während Gläser aneinanderstoßen und Gespräche um sie herum stattfinden. Dann gibt es Orte, an denen Musik eher strukturell wirkt – weniger wie Dekoration, sondern eher wie Architektur. Orte, die auf der Annahme beruhen, dass Klang selbst die Art und Weise prägen kann, wie Menschen zusammenkommen.

„Solar Myth“ gehört zu dieser zweiten Kategorie.

Man findet es in der South Broad Street in Philadelphia, in einem Gebäude, das bereits eine bewegte Vergangenheit hinter sich hat. Städte funktionieren oft so. Räume sammeln Erinnerungen an. Wände nehmen jahrelangen Lärm und Geschichten in sich auf, bevor sie zu etwas völlig anderem werden. Das Gebäude war einst Schauplatz für Country-Musik, später für Indie-Bands, und nun hat sich ein neues Kapitel dort etabliert. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Veranstaltungsorten, die versuchen, einen Trend in der Hörkultur nachzuahmen, scheint Solar Myth weniger an Nachahmung als vielmehr an Fortführung interessiert zu sein.

Sobald man durch die Tür tritt, hat man das Gefühl, dass hier alles eher im Zeichen der Neugierde als der Show steht. Kaffee am Morgen. Schallplatten in der Nähe. Wein. Bücher. Live-Musik am Abend. Menschen, die zu unterschiedlichen Zeiten aus unterschiedlichen Gründen hereinkommen und doch irgendwie in dieselbe Atmosphäre eintauchen.

Das Interessante an Hörräumen ist, dass sie sich oft eher durch kleine als durch große Entscheidungen offenbaren.

Welche Aufzeichnungen sind noch zugänglich?

Welche Musiker treten in einer Sendung auf?

Ob Stille sich unangenehm oder angenehm anfühlt.

Ob ein Raum dazu einlädt, etwas zu konsumieren, oder einfach nur dazu, Zeit darin zu verbringen.

„Solar Myth“ scheint dies instinktiv zu verstehen.

Das Programm konzentriert sich auf Jazz, experimentelle Musik und Künstler, die sich etwas abseits der ausgetretenen Pfade bewegen. Musik, die Aufmerksamkeit belohnt, anstatt sie einzufordern. Keine Musik, die nur um der Schwierigkeit willen schwierig ist, sondern Musik, die die Zuhörer dazu einlädt, näher heranzukommen. Das ist ein Unterschied.

Auch Philadelphia selbst spielt hier eine wichtige Rolle.

Die Stadt war schon immer von einem unabhängigen Geist geprägt. Weniger glatt wie New York. Weniger auf Status bedacht als Los Angeles. Oft scheint sie glücklicher zu sein, wenn sie ihrem eigenen Rhythmus folgt. Diese Haltung spiegelt sich auch im „Solar Myth“ wider. Der Raum strahlt eine gewisse Ernsthaftigkeit aus, aber kaum Selbstherrlichkeit.

Die Kultur des Zuhörens kann manchmal etwas Überhöhtes annehmen. Der Mythos rund um Hi-Fi-Anlagen, seltene Schallplatten und vollkommene Stille birgt gelegentlich die Gefahr, dass man den eigentlichen Sinn völlig aus den Augen verliert. Es ging nie um die Technik. Es ging immer darum, dass Menschen beisammensitzen und dem Klang Bedeutung beimessen.

„Solar Myth“ scheint sich daran zu erinnern.

Man kann sich vorstellen, wie man am späten Nachmittag ankommt, während das Tageslicht noch durch die Fenster an der Vorderseite fällt, und hört, wie irgendwo in der Nähe eine Platte zu Ende geht und eine andere beginnt. Die Stunden vergehen fast unbemerkt. Jemand liest. Jemand unterhält sich leise. Jemand hört zum ersten Mal einen Künstler und nimmt sich im Stillen vor, später einmal nach ihm zu suchen.

Die besten Hörräume schaffen diese winzigen, unsichtbaren Momente. Keine dramatischen. Keine Momente, die man fotografiert und sofort hochlädt.

Die ruhigeren.

Die Momente, in denen einem etwas einfach im Gedächtnis bleibt.


Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt.
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