Spins and Sips: Der ganztägige Groove von Next Door Records in Shepherd’s Bush
Von Rafi Mercer
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Name des Veranstaltungsortes: Next Door Records
Adresse: 304 Uxbridge Road, Shepherd’s Bush, London W12 7LJ, Vereinigtes Königreich
Website: nextdoorrecords.co.uk
Telefon: +44 20 8743 7343
Manche Orte zum Musikhören lassen sich am besten nachts entdecken, denn erst im Kerzenschein offenbaren sie ihren ganzen Charme. Next Door Records funktioniert anders – es ist auf den langen Tag ausgelegt. Das Morgenlicht, das durch die Fenster fällt, der Kaffeedampf, der sich in der Luft kräuselt, jemand, der auf der Theke eine Jazz-Schallplatte auflegt – all das entspricht dem Geist des Ortes genauso sehr wie eine abendliche DJ-Session. Dies ist ein Ort, der dazu einlädt, früh zu kommen, spät zu gehen und die Stunden wie eine Doppel-LP vorbeiziehen zu lassen.

Die Ladenfront ist teils Geschäft, teils Café, teils Versprechen. Auf der einen Seite Schallplatten im Schaufenster – die Rücken nach außen gedreht, die Hüllen wie Kunstwerke. Auf der anderen Seite ein paar Tische mit halb ausgetrunkenen Cappuccinos und Zeitungen, das leise Gemurmel der Gespräche unterbrochen vom Tonabnehmer, der in die Rille eintaucht. Tritt man ein, klärt sich die doppelte Identität: Regale voller Schallplatten an einer Wand, eine Theke, an der morgens Kaffee und abends Naturwein serviert wird, und eine Soundanlage, die den hinteren Bereich prägt.
Die Plattensammlung ist keine bloße Sammelsurium. Hier gibt es eine große Bandbreite – klassische Blue-Note- und Impulse!-Titel neben tiefgründigem Afrobeat, experimentelle Elektronik neben Indie-Klassikern, alles so sortiert, dass das Stöbern zum wahren Vergnügen wird. Der Laden strahlt eine gewisse Gelassenheit aus; die Plattenhüllen sind zwar abgenutzt, aber gut gepflegt, und die Mitarbeiter sprechen über Musik, als wäre sie die einzige Sprache, die es wert ist, gesprochen zu werden.
Die Beschallungsanlage ist speziell auf den Raum abgestimmt. Tagsüber ist die Lautstärke so niedrig, dass man ungestört arbeiten oder sich unterhalten kann, ohne dass Details verloren gehen; am Abend wird sie dann etwas lauter – die Basslinie ist warm, aber kontrolliert, die Höhen klar, aber niemals schrill. Die Platzierung ist strategisch gewählt: Die Theke dient gleichzeitig als DJ-Pult, sodass der DJ Teil des geselligen Geschehens ist und nicht als isolierte Figur in einer Kabine steht.
Tagsüber herrscht hier Café-Atmosphäre – Leute, die auf einen Flat White vorbeikommen und kurz stöbern, jemand, der sich mit seinem Laptop in einer Ecke niederlässt, während der Plattenspieler einen stetigen Strom gefühlvoller Instrumentalstücke oder altmodischer Folk-Platten spielt. Es ist ungezwungen, aber keine bloße Hintergrundmusik – die Auswahl ist bewusst getroffen, selbst um 10 Uhr morgens.
Am späten Nachmittag ändert sich die Stimmung. Naturweinflaschen lösen die morgendlichen Kaffeebestellungen ab, das Licht verändert sich, und die Playlist wird etwas gewagter. Es ist ein fließender Übergang vom Plattenladen zur Hörbar. Die Tische werden nicht für eine Tanzfläche abgeräumt – so ein Ort ist das hier nicht –, aber die Stühle werden in Richtung Musik gedreht, und das Geplauder wird etwas leiser.
An den Abenden legt oft ein Gast-DJ auf – mal ein lokaler Produzent, mal ein auf Tour befindlicher DJ, der nach einer Alternative zum Clubabend sucht. Das Publikum ist bunt gemischt: Plattensammler, die schon seit dem Morgen hier sind, Einheimische bei ihrem zweiten Glas Pét-Nat, neugierige Passanten, die dem Sound von der Straße her gefolgt sind. Die Atmosphäre ist offen und einladend, ohne chaotisch zu sein – es gibt genug Platz, um die Platte so zu hören, wie sie gehört werden soll, selbst bei lebhaften Gesprächen.
Die Veranstaltungen beschränken sich nicht nur auf DJs. Next Door Records hat bereits In-Store-Auftritte veranstaltet – nur eine Gitarre, ein Mikrofon und die intime Akustik eines Raums, der wie geschaffen für Musik ist. Es ist etwas ganz Besonderes, einen Künstler aus nächster Nähe auftreten zu sehen, vor einem Publikum von nicht mehr als ein paar Dutzend Menschen, wobei jede Note in der Luft schwebt, bevor sie vom Raum verschluckt wird.
Die Getränkekarte ist durchdacht, ohne überladen zu wirken. Naturweine, Craft-Biere, eine Handvoll Cocktails – der Fokus liegt auf Qualität und darauf, die Musik zu ergänzen. Die Kombinationen ergeben sich ganz ungezwungen: ein heller, spritziger Orangenwein zu einer lebhaften Highlife-Platte; ein tiefes, tanninhaltiges Rot, wenn der DJ sich in Richtung Dub oder Cosmic Jazz bewegt.
Der Name – Next Door Records – passt gut. Er strahlt die ungezwungene Vertrautheit eines Ortes aus, in den man an einem entspannten Samstag zufällig hineinschlendert, und gleichzeitig die Tiefe eines Ortes, um den man einen Abend herum plant. Es ist die Art von Ort, von dem man Freunden ganz beiläufig erzählt, in der Gewissheit, dass sie es verstehen werden, sobald sie einmal dort waren.
Was hier besonders auffällt, ist, wie ungezwungen sich das Ganze anfühlt. Manche Hybridräume tun sich schwer damit, die Spanne zwischen Laden, Bar und Veranstaltungsort auszugleichen. Next Door Records schafft das, indem es keine künstliche Trennung vornimmt – jedes Element unterstützt die anderen. Der umfangreiche Bestand des Ladens liefert die Grundlage für die abendlichen Sets; die einladende Atmosphäre des Cafés tagsüber lockt das Publikum an, das dann für die Musik bleibt.
Es ist kein „Tempel des Zuhörens“ im japanischen Sinne – es herrscht keine erzwungene Stille, und es gibt keinen einzigen „Sweet Spot“, auf den sich alle ausrichten. Aber es herrscht Respekt vor der Schallplatte als Herzstück des Abends. Ganz gleich, ob man eine Stunde oder den ganzen Tag hier ist: Man hört etwas, womit man nicht gerechnet hat, und das bleibt einem im Gedächtnis.
Wenn du mit den Schallplatten unter dem Arm in die Nacht von Shepherd’s Bush hinausgehst, hörst du den Klang, der hinter dir herzieht – ein paar letzte Töne, ein letzter Schluck, ein letzter Blick durch die Scheibe in den Raum. Und du denkst: Ja, daneben könnte ich leben.
Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Für weitere Geschichten aus der Reihe „Tracks & Tales“ abonnieren Sie oder hier, um mehr zu lesen.