Stille und Klang: Das „Sonic Sanctuary“ des Ojas Listening Room in SoHo
Von Rafi Mercer
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Der „Ojas Listening Room“ ist eine der angesehensten Hörbars in New York City – erfahren Sie mehr in unserem Leitfaden zu den Musiklokalen in NYC.
Name des Veranstaltungsorts: Ojas Listening Room
Adresse: 62 Crosby Street, New York, NY 10012, Vereinigte Staaten
Website: devialet.com/en-us/ojas-listening-room
Telefon: k. A.
Spotify-Profil: k. A.
Die Crosby Street war schon immer eine eigenartige Ausnahmestelle in SoHo – ein wenig ruhiger, ein wenig gemächlicher, eine Straße, die sich dem Rhythmus der Stadt zu entziehen scheint, ohne ihn ganz hinter sich zu lassen. Auf halber Strecke befindet sich ein Raum mit Glasfront, den man leicht für eine Kunstgalerie halten könnte. Im Inneren gibt es keine Bar, keine Küche, kein Stimmengewirr. Stattdessen stehen dort zwei hoch aufragende Lautsprecher, ein Plattenspieler und eine kleine Gruppe von Menschen, die ganz still dasitzen. Das istder Ojas Listening Room.
Devon Turnbull, der kreative Kopf hinter Ojas, ist in der Welt der Audiophilen ebenso bekannt wie in der Kunstszene. Seine Lautsprecherentwürfe – groß, kühn und unverhohlen physisch – sind ebenso sehr Skulpturen wie Klanginstrumente. Der „Listening Room“ ist sein Ausdruck von reinem Klang als Umgebung, der in Zusammenarbeit mit dem High-End-Audiohersteller Devialet entstanden ist.
Der Raum ist bewusst minimalistisch gehalten: unbehandelter Betonboden, sanfte cremefarbene Wände, eine Handvoll Stühle aus der Mitte des letzten Jahrhunderts und niedrige Bänke, die in einem lockeren Halbkreis vor den Lautsprechern angeordnet sind. Keine Getränkekarte, kein Hintergrundrauschen von Kühlgeräten oder Espressodampf. Das Erste, was einem auffällt, ist die Stille und die Art und Weise, wie sie die Atmosphäre prägt, bevor der erste Ton erklingt.
Sobald die Nadel auflegt, verwandelt sich der Raum. Man hört nicht nur die Instrumente, sondern auch den Raum zwischen ihnen. Ein mit dem Besen angeschlagenes Becken entfaltet sich und verschwindet in den Ecken; ein mit dem Bogen gestrichener Kontrabass erstreckt sich bis in den Boden. Das Ojas-System drängt einem die Musik nicht auf – es zieht einen in ihren Bann.
Dies ist kein Ort, an dem man einfach so vorbeikommen kann. Die meisten Veranstaltungen sind im Voraus gebucht, manche öffentlich, manche privat. Das Publikum kann aus sechs oder auch aus fünfzehn Personen bestehen, aber es wirkt nie überfüllt. Die Veranstaltungen reichen von der vollständigen Wiedergabe eines einzelnen Albums bis hin zu einem zweistündigen Programm mit ausgewählten Stücken, oft aus der persönlichen Schallplattensammlung des Gastgebers. Die Genres sind vielfältig – Spiritual Jazz, Singer-Songwriter der 70er Jahre, elektronischer Minimalismus –, werden aber stets danach ausgewählt, wie gut sie mit der Anlage harmonieren.
Im Raum herrscht eine unausgesprochene Übereinkunft: Handys werden weggelegt, man spricht leise, und das Zuhören steht im Vordergrund. Das ist keine Anmaßung, sondern ein Schutz. In einer Stadt, in der selbst gehobene Cocktailbars wie ein Wettstreit um die höchste Lautstärke wirken können, ist dies eine seltene Oase akustischer Klarheit.
Eines Abends hörte ich eine Erstpressung von Alice Coltranes „Journey in Satchidananda“. Die Harfe schimmerte wie Licht durch Wasser, der Bass verankerte den Raum wie ein Felsfundament, und Pharaoh Sanders’ Saxophon schwebte über uns, als wäre die Decke selbst der Himmel. Als die Platte zu Ende war, klatschten die Leute nicht – sie atmeten tief aus.
Da das Ojas in SoHo liegt, gehören zu den Gästen oft Kunstsammler, Modedesigner und Musiker. Aber es gibt auch neugierige Passanten, die von „dem Laden mit den riesigen Lautsprechern“ gelesen und einen Termin gebucht haben, ohne genau zu wissen, was sie erwartet. Es spricht Bände, wie viele von ihnen wiederkommen.
Auf seine Weise ist der Ojas Listening Room eine stille Rebellion. Er vermittelt die Botschaft, dass Musik unsere volle Aufmerksamkeit verdient und dass der physikalische Vorgang, bei dem Schall die Luft in Schwingung versetzt, es nach wie vor wert ist, einen ganzen Raum um ihn herum zu gestalten. Da weder Getränke noch Speisen angeboten werden, konzentriert sich die gesamte Wahrnehmung auf den Klang und die visuelle Schlichtheit des Raums.
Wenn man die Crosby Street verlässt, wirkt sie fast schon zu laut – die Stadt drängt wieder herein. Doch wenn man genau hinhört, merkt man, dass sich das Hörerlebnis verändert hat. Man nimmt die Schritte auf dem Bürgersteig mit mehr Nuancen wahr, den Doppler-Effekt eines vorbeifahrenden Taxis und die Art und Weise, wie sich zwei Stimmen im Gespräch überlagern.
Ojas spielt nicht nur Musik – es sorgt für ein ganz neues Hörerlebnis.
Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.
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