Von der Zeit gezeichnet und perfekt abgestimmt: Das „Jazz Inn Uncle Tom’s“ – eine Oase in Shinjuku
Von Rafi Mercer
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Das „Jazz Inn Uncle Tom“ ist eine der angesehensten Listening-Bars Tokios – erfahren Sie mehr in unserem Leitfaden zu Tokios Musiklokalen.
Name des Veranstaltungsortes: Jazz Inn Uncle Tom
Adresse: 2-14-8 Shinjuku, Shinjuku-shi, Tokio 160-0022, Japan
Website: k. A.
Telefon: +81 3-3352-6797
Spotify-Profil: k. A.
Shinjuku ist ein Stadtteil voller Gegensätze – neonbeleuchtete Straßen, hinter denen sich ruhige, unbeleuchtete Hintergassen verbergen; Wolkenkratzer, die in Ramen-Imbisse übergehen, die gerade mal Platz für sechs Hocker bieten. Irgendwo dazwischen hat das „Jazz Inn Uncle Tom“ seit Jahrzehnten seinen Platz behauptet: ein kleiner Raum, der der Musik, die ihn geprägt hat, zutiefst verbunden ist.
Der Eingang ist unscheinbar – ein Schild, das aussieht, als stünde es schon seit den 1970er Jahren dort, und eine schmale Tür, durch die man fast das Gefühl hat, hinter die Kulissen zu treten. Im Inneren wird die Beleuchtung auf ein bernsteinfarbenes Licht gedimmt, und noch bevor man vom Personal begrüßt wird, umgibt einen der Duft von Holz, Whisky und alten Schallplatten.
„Uncle Tom“ ist keine moderne, minimalistische Listening-Bar; es ist ein Raum mit Geschichte, der durch die Jahre von Stammgästen, die an der Theke lehnen, von DJs, die Plattenhüllen durchblättern, und von Musik, die vom Moment des Öffnens an erklingt, glatt geschliffen wurde. Die Regale hinter der Bar sind hoch mit Schallplatten gestapelt – hauptsächlich Jazz, meist Raritäten –, dazwischen stehen ein paar Flaschen Whisky und Shochu.
Die Stereoanlage ist zwar ein Oldtimer, aber perfekt gepflegt. Eine ganze Wand wird von großen Lautsprechern in Holzgehäusen dominiert – von der Art, die man nicht nur hört, sondern auch spürt. Der Klang hat eine leichte Wärme – nicht kühl und nüchtern, sondern voll und rund, so dass selbst eine kristallklare Blue-Note-Pressung den Eindruck vermittelt, als schimmern darin ein paar Kerzen.
Die Nachmittage sind hier meist ruhiger; das Publikum besteht aus Menschen, die lesen, schreiben oder einfach nur der Musik lauschen. Abends füllt sich der Raum – eine Mischung aus Einheimischen, die schon seit Jahrzehnten hierherkommen, und Besuchern auf Jazz-Pilgerreisen. Gespräche sind Teil des Soundtracks, übertönen aber niemals die Platten. Die Balance zwischen menschlicher Präsenz und musikalischer Konzentration ist eine der stillen Errungenschaften von Uncle Tom’s.
An einem regnerischen Abend in Shinjuku saß ich an der Theke, einen Highball in der Hand, und hörte mir ein Live-Album von Thelonious Monk an, das ich noch nie zuvor gehört hatte. Zwischen den beiden Seiten erzählte mir der Barkeeper – der gleichzeitig auch für die Musikauswahl zuständig ist – die Geschichte, wie die Platte in seine Sammlung gelangt war. Es war ein Geschenk eines reisenden Musikers Ende der 1980er Jahre, das er gegen eine Flasche Yamazaki eingetauscht hatte. Geschichten wie diese scheinen hier in den Wänden zu stecken.
Die Auswahl konzentriert sich stark auf den amerikanischen Jazz der 1950er- bis 1970er-Jahre, doch auch japanische Musiker sind stark vertreten – Sadao Watanabe, Toshiko Akiyoshi, Terumasa Hino. Wenn diese Platten laufen, spürt man den Stolz im Raum, das Gefühl, dass hier nicht nur Tokio Amerika zuhört, sondern Tokio sich selbst.
Das Getränkeangebot ist überschaubar, aber gut zusammengestellt. Whisky steht im Vordergrund, wobei der Schwerpunkt auf japanischen Marken liegt, aber es gibt auch Bier, Sake und gelegentlich saisonale Cocktails. Das Speisenangebot ist minimal – ein paar Bar-Snacks, vielleicht ein kleiner Teller mit eingelegtem Gemüse –, aber das reicht völlig aus. Man ist schließlich wegen der Musik hier, nicht wegen des Essens.
Die Beständigkeit des „Uncle Tom’s“ ist Teil seines Charmes. In einer Stadt, die sich rasant verändert, wirkt es wie ein fester Bezugspunkt – ein Ort, an den man hereinkommt und genau weiß, was einen erwartet: guter Jazz, warmer Klang und jene Art von Gastfreundschaft, die sich nicht extra ankündigen muss.
Wenn man nach einer Nacht hier wieder nach Shinjuku hinausgeht, wirkt die Straße lauter, heller und hektischer. Doch die Musik hallt nach – nicht nur in den Ohren, sondern auch im Rhythmus der Schritte, während man sich durch die Menschenmenge schlängelt. Es ist, als hätte einem „Uncle Tom“ ein wenig von seinem Tempo mitgegeben, um es zurück ins Chaos zu tragen.
Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.
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