Tropische Rhythmen im 2ᵉ: Die Mischung aus Pariser und lateinamerikanischem Flair im Montezuma Café

Tropische Rhythmen im 2ᵉ: Die Mischung aus Pariser und lateinamerikanischem Flair im Montezuma Café

Von Rafi Mercer

Neues Angebot

Name des Veranstaltungsortes: Montezuma Café
Adresse: 15 Rue Saint-Sauveur, 75002 Paris, Frankreich
Website: k. A.
Telefon: +33 1 42 36 32 05
Spotify-Profil: k. A.

Manche Lokale machen mit einem Schild, einer Warteschlange oder lauter Musik, die durch die Tür dringt, auf sich aufmerksam. Das Montezuma Café geht einen anderen Weg. Zuerst hört man es – eine schwebende Cumbia-Basslinie, einen Hauch brasilianischer Gitarrenklänge – und erst dann sieht man die bemalte Fassade, deren Farben gerade so verwittert sind, dass man meinen könnte, sie stünde schon länger hier, als es tatsächlich der Fall ist. Tritt man durch die Tür, wird man von Wärme empfangen – sowohl im wörtlichen als auch im menschlichen Sinne.

Der Raum ist klein, aber vielschichtig. Gewebte Lampenschirme hängen tief herab, ihr Licht fällt auf die Tische; die Bar ist mit Flaschen gefüllt, deren Etiketten Geschichten aus fernen Ländern erzählen – Mezcals mit handgezeichneten Motiven, Rumsorten von Inseln, die man noch nie besucht hat. An einer Wand lehnt eine bescheidene, aber geliebte Plattensammlung, bereit, die Atmosphäre des Abends zu beleben.

Der Sound im Montezuma hat seine Wurzeln in den Tropen. Hier hört man ebenso gerne eine kolumbianische Big Band aus den 1960er Jahren wie einen Jazz-Track, der aus New Orleans herübergeweht ist, oder einen modernen Remix eines peruanischen Chicha-Klassikers. Der DJ, der oft direkt hinter der Bar steht, arbeitet mit lässiger Präzision – das Ausklingen einer Platte geht nahtlos in die Percussion einer anderen über, ohne den Schwung im Raum zu unterbrechen.

Der frühe Abend ist die Zeit für Gespräche. Ein Pisco Sour wird vor einem serviert, dessen Schaum das gedämpfte Licht einfängt; ein Teller mit Empanadas wird heiß gereicht, und beim Aufbrechen des Teigs kommen gewürztes Fleisch und Kräuter zum Vorschein. Die Musik ist hier präsent, ohne jedoch aufdringlich zu wirken – sie ist eine Ergänzung zum Getränk, kein Konkurrent.

Je später es wird, desto intensiver wird der Sound. Die Cumbia weicht etwas Schwererem, vielleicht einer kubanischen Descarga oder einem Dub-Remix eines Salsa-Stücks. Man bemerkt allmählich, wie der Bass den Raum ausfüllt – nicht dröhnend, sondern einhüllend – und wie die Leute an den verschiedenen Tischen beginnen, sich unwillkürlich im Takt zu bewegen. Es gibt hier zwar keine Tanzfläche, aber die Form des Cafés lädt geradezu zum Tanzen ein.

Die Cocktails sind von Lateinamerika inspiriert, spielen aber frei mit französischen Akzenten. Ein Mezcal Old Fashioned mit Kakao-Bitter. Eine Caipirinha mit rosa Grapefruit. Die Weine werden mit derselben Sorgfalt ausgewählt, oft von kleinen Erzeugern, und oft mit einer Geschichte serviert. Die Speisekarte ist übersichtlich, aber voller Charakter: Empanadas, Ceviche, Kochbananen-Chips mit rauchiger Aioli.

An einem Freitagabend saß ich an dem letzten kleinen Tisch neben der Tür, eingequetscht zwischen den anderen Gästen. Der DJ war gerade mitten in einem Set, das afro-peruanische Percussion mit einem modernen Pariser House-Track verband. Man konnte spüren, wie das Publikum diesem Rhythmus folgte – niemand begann zu tanzen, aber der ganze Raum beugte sich leicht nach vorne, mitgerissen von derselben Strömung.

Die Akustik hier ist für einen so engen Raum überraschend gut. Ein Paar gut positionierter Lautsprecher sorgt für eine gleichmäßige Klangverteilung von vorne bis hinten, und die Lautstärke ist auf die Raumgröße abgestimmt. Man muss nie die Stimme erheben, um sich zu unterhalten, aber jede Note ist deutlich zu hören, wenn man ihr folgen möchte.

Das Montezuma Café strahlt eine Großzügigkeit aus, die man selten findet. Die Mitarbeiter begrüßen einen, als hätten sie einen schon erwartet; die Musik vermittelt den Eindruck einer persönlichen Playlist, die eher geteilt als vorgeführt wird. Man verlässt das Lokal mit dem Gefühl, an einem ganz besonderen Ort gewesen zu sein – nicht in einer gewöhnlichen „Latin-Bar“, sondern an einer Pariser Ecke, an der sich die ganze Welt für einen kurzen Moment auf wenige Quadratmeter verengt, gefüllt mit Licht, Getränken und Rhythmus.

Wenn man wieder in die Rue Saint-Sauveur zurückkehrt, wirkt das Stimmengewirr der Stadt intensiver, als hätte man sich neu darauf eingestellt. Der letzte Titel, den man gehört hat, hallt noch immer im Kopf nach – eine ganz persönliche Erinnerung an ein Café, das den Wert einer gut platzierten Note zu schätzen weiß.

Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Für weitere Geschichten aus der Reihe „Tracks & Tales“ abonnieren Sie oder hier, um mehr zu lesen.

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