Voulkanizater – Athens Hi-Fi-Oase
Von Rafi Mercer
Neues Angebot
Name des Veranstaltungsortes: Voulkanizater (Βουλκανιζατέρ)
Adresse: Odyssea Androutsou 17, Koukaki, Athen 11741, Griechenland.
Website: voulkanizater.com
Instagram: @voulkanizater.ath
Koukaki, nur einen kurzen Fußweg von der Akropolis entfernt, ist eines der lebendigsten Viertel Athens – enge Gassen, der Duft von Souvlaki, der durch die Luft zieht, kleine Läden und Bars, die sich nahtlos in die Wohnblocks einfügen. Nachts herrscht hier ein lebhaftes Treiben, untermalt vom leisen Geschirrklappern der Tavernen und dem Geplapper der Studenten. Doch versteckt in der Odyssea-Androutsou-Straße befindet sich ein Ort, der sich von all dem abhebt. Hinter seinem unscheinbaren Eingang präsentiert sich das „Voulkanizater“ nicht durch Lautstärke, sondern durch Klangtreue: ein Hi-Fi-Restaurant und eine Bar, in der Essen, Trinken und Vinyl ein einziges Erlebnis bilden.
Der Name ist eine Art Insiderwitz. „Voulkanizater“ bezeichnet im Griechischen normalerweise eine Reifenwerkstatt – jene Art von Werkstatt, an der man vielleicht unbemerkt vorbeigeht. Dies auf eine Hörbar anzuwenden, ist ein Augenzwinkern in Richtung des Alltäglichen, eine Art zu sagen: Auch dies ist eine Werkstatt, doch was hier repariert wird, ist nicht Gummi, sondern Rhythmus, nicht Reifen, sondern müde Ohren. Im Inneren lässt die Atmosphäre das Wortspiel lebendig werden. Beton und Holz mildern die industrielle Hülle, Regale mit Schallplatten säumen die Wände, und die Anlage leuchtet dezent und wartet darauf, die schwarze Wachsplatte in Klang zu verwandeln.
Der Klang ist der Anker. Die Wiedergabe ist kraftvoll, aber ausgewogen – eine Anlage, bei der Jazz-Bläser klar zur Geltung kommen, Soul-Basslinien rund und menschlich klingen und elektronische Texturen eher mit Substanz als mit Schärfe im Raum schweben. Es ist HiFi im wahrsten Sinne des Wortes: hohe Wiedergabetreue gegenüber dem, was in die Rille gepresst wurde. Diese Wiedergabetreue bestimmt den Rhythmus des Raums. Gespräche werden leiser, Stimmen schmiegen sich der Musik an, anstatt sich gegen sie abzusetzen. Die Leute nippen langsam an ihren Getränken, lassen sich von den Stücken mitreißen und warten darauf, dass die Platte gewendet wird, um zu entscheiden, ob sie noch ein Glas bestellen.
Die Sammlung deckt ein breites Spektrum ab. Griechische Pressungen von Jazz- und Folk-Platten stehen neben amerikanischem Funk, europäischer Electronica, Afrobeat und Disco. Die Auswahl ist im besten Sinne abwechslungsreich: immer auf die Stimmung des Abends abgestimmt, niemals vorhersehbar. In einem Moment hört man vielleicht Caetano Veloso, der sanft in die Ecken des Raums fließt; im nächsten eine 12-Zoll-Platte mit Larry Levans Lieblings-Disco-Track; später eine griechische Ballade, die den Raum in stilles Träumen versetzt. Was das Ganze zusammenhält, ist nicht das Genre, sondern der Geschmack – ein roter Faden aus Musik, die zum Hören ausgewählt wurde, nicht zum Überfliegen.
Das „Voulkanizater“ ist gleichzeitig ein Restaurant, und auch hier steht Ausgewogenheit im Vordergrund. Die Gerichte sind mediterran mit modernem Touch, zum Teilen gedacht, reichhaltig, ohne schwer zu sein. Das Essen ist wie die Getränke – ein Begleiter, keine Ablenkung. Die Cocktails sind spritzig und klassisch, die Weine naturbelassen und aus der Region, die Biere kalt und unprätentiös. Es geht nicht um Spektakel, sondern um das richtige Maß: gerade genug, damit man sich wohlfühlt, während der eigentliche Star des Abends aus den Lautsprechern erklingt.
Das Publikum ist bunt gemischt. Stammgäste aus der Nachbarschaft, Athener Musikfans, Touristen, die im Internet von der Bar gehört haben. Zusammen schaffen sie eine Atmosphäre, die sowohl bodenständig als auch kosmopolitisch wirkt. Die Stimmung ändert sich im Laufe des Abends – früher sieht man Paare und kleine Gruppen, die bei Jazzmusik ruhig zu Abend essen; später spürt man, wie das Tempo ansteigt, ein DJ bringt die Anlage in Schwung, und die Körper wiegen sich im Takt, ohne dass jemand das als Tanzen bezeichnet.
Das Besondere am „Voulkanizater“ ist, dass es sich weigert, die einzelnen Elemente voneinander zu trennen. Es ist weder ein Restaurant mit Hintergrundmusik noch eine Bar mit Beilagen. Es ist ein ganzheitlicher Raum, in dem jedes Element – Klang, Geschmack, Design, Service – auf dieselbe Tonart abgestimmt ist. Diese Einheit macht das Erlebnis unvergesslich. Man geht nicht mit dem Gedanken an ein bestimmtes Lied, ein bestimmtes Gericht oder ein bestimmtes Getränk, sondern daran, wie all dies zusammenwirkte, um einen in eine andere Dimension der Zeit zu versetzen.
Sobald man nach draußen tritt, wirken die Straßen von Koukaki wieder lauter: Taxis rasen vorbei, die Akropolis ragt am Nachthimmel empor. Doch man trägt die Last von „Voulkanizater“ mit sich – die Erinnerung an eine Platte, die man richtig gehört hat, den Glanz eines dazu passenden Drinks, das Gefühl, dass Athen nicht durch Nachahmung, sondern durch den Aufbau von etwas, das sich ganz und gar eigen anfühlt, Einzug in die globale Musikszene gehalten hat.
Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.