Wo die Nächte der Stadt in Vinyl-Träumereien versinken
Von Rafi Mercer
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Der Caterpillar Club ist eine der besten Bars in Sydney, in der man Musik genießen kann . Erfahren Sie mehr in unserem Leitfaden zu Musiklokalen in Australien.
Name des Veranstaltungsortes: The Caterpillar Club
Adresse: 92 Pitt Street, Sydney, NSW, Australien
Website: swillhouse.com/venues/the-caterpillar-club
Instagram: @thecaterpillarclubsydney
Der Abstieg in den „Caterpillar Club“ ist wie der Schritt durch ein Portal in klangliche Wärme. Es beginnt mit einer Treppe, die hinter Bürofassaden versteckt liegt; das Licht wird immer schwächer, bis man eine langgestreckte Bar betritt, die wie ein Schlauch aus braunem Samt atmet. Der Schein bernsteinfarbener Glühbirnen spiegelt sich in Reihen roter Ledernischen wider, wo Kerzen auf niedrigen Tischen flackern – ideal für geflüsterte Gespräche oder das alleinige Eintauchen in den nächsten Titel. Über der Bar erstrecken sich Regale über die gesamte Länge des Raums, bestückt nicht mit Hunderten, sondern mit rund 10.000 Schallplatten. Dieses riesige Archiv ist eine der größten Privatsammlungen Australiens, und jeder Plattenrücken verspricht eine Geschichte, die darauf wartet, abgespielt zu werden.
Der Raum zeugt von Widersprüchen, die sich in das Design einfließen lassen. Er ist zugleich grandios und gemütlich, ein Tempel des Klangs und ein Spielplatz für Neugier. Das Kreativteam hinter Swillhouse – die Köpfe, die bereits Frankie’s, Hubert, Shady Pines und Le Foote ins Leben gerufen haben – hat einen Veranstaltungsort im Untergeschoss geschaffen, der nostalgisch und doch frisch, filmreif und doch wohnlich wirkt. Man spürt die Tradition der New Yorker Speakeasys und der Jazz-Kneipen der 1970er Jahre, doch die Atmosphäre hier ist unverkennbar Sydney: geprägt von Leder, Holz und einer stillen Intensität.
Der Klang ist in diesem Raum heilig. DJs greifen auf Vinylplatten aus dem Archiv zurück und legen jeden Abend eine Auswahl auf – ganz ohne Playlists und ohne festes Schema. Jeder Abend wird in Echtzeit kuratiert. Wenn Bands auftreten, verleiht das hinter Paneelen unauffällig platzierte Martin-Audio-System der Musik sowohl Tiefe als auch Klarheit. Man spürt sie in der Brust, nicht nur in den Ohren. Jeder Sitzplatz, jede Nische, jede Ecke wurde so gestaltet, dass man diesen Klang ganz hautnah erleben kann. Selbst in den kraftvollsten Momenten bleibt die Unterhaltung nah und von Wärme geprägt.
Dann gibt es noch den „Bamboo Room“. Diese versteckte Tiki-Bar liegt ganz hinten, umgeben von Strohdach und Schatten, und versprüht ihre ganz eigene fruchtige Cocktail-Atmosphäre, ohne dabei aus dem Gesamtkonzept herauszufallen. Sie unterbricht den Ablauf an der Hauptbar nicht, sondern erweitert ihn.
Speisen und Getränke folgen derselben Logik wie die Musik: durchdacht, verspielt, unmittelbar. Gerichte, die eigentlich als Genusssünden gelten könnten – Cheeseburger, Pasteten, Fischstäbchen –, werden als nächtliche Begleiter serviert: Fingerfood, das sättigt, ohne den Abend zu verlangsamen. Die Cocktails sind gewagt und kreativ, von tropischen Tiki-Anklängen bis hin zu spektakulären Kreationen wie dem „Caterpillar Downfall“. Das Barteam betrachtet jede Bestellung als eine Stimmung, die es zu gestalten gilt, und nicht einfach nur als ein Getränk, das serviert werden muss.
Jede Nacht fühlt sich wie eine Aufführung an, selbst wenn allein die Plattensammlung das Programm trägt. Das Ritual ist immer da: das Geräusch, wenn sich die Hülle öffnet, das sanfte Streichen über die Platte, das Knistern, bevor die Nadel die Rille findet. Diese kleinen Momente sind genauso bedeutsam wie die Musik selbst. Dem Publikum muss nicht gesagt werden, dass es den Klang respektieren soll. Der Raum selbst macht dies deutlich.
Hinter dem Hauptraum befindet sich das „Den“, eine versteckte Oase, in der die Tanzfläche auf diejenigen wartet, die sich austoben möchten. Doch die zentrale Bar zieht die meisten in ihren Bann – ihre Anziehungskraft ist unbestreitbar. Die Menschen verweilen länger als geplant, gefangen zwischen Kerzenlicht, Musik und dem stillen Gefühl, dass die Nacht ihre eigene Choreografie hat.
Der Caterpillar Club ist Gastlichkeit, die als Architektur konzipiert ist. Er ist eine Lounge zum Zuhören, eine Bühne, eine Speakeasy und ein unterirdischer Rückzugsort. Hier finden Abende statt, aber mehr noch: Hier werden sie inszeniert – jeder Abend ist eine Aufführung, in der Gäste, DJs, Barkeeper und der Raum selbst ihre Rolle spielen.
Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter hier oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.