Summers Sons – Dare To Wonder (2025) – Südlondon in der Sonne

Summers Sons – Dare To Wonder (2025) – Südlondon in der Sonne

Das ist aber ein toller!

Von Rafi Mercer

Manche Alben wirken teuer. Manche wirken kompliziert. Bei manchen fühlt es sich einfach gut an, sie zu haben.

„Dare To Wonder “ ist die dritte Art.

Warme Luft. Offene Fenster. Südlondon, wo endlich wieder die Sonne scheint.

Summers Sons haben schon immer etwas Wichtiges verstanden: Nicht jedes Album muss um Aufmerksamkeit kämpfen. Manchmal wirkt Musik besser, wenn sie sich ganz natürlich im Raum ausbreitet. Genau das tut diese Platte – Jazz-Loops und sanfte Schlagzeugklänge, Basslinien mit viel Raum um sich herum, Texte, die eher gelebt als vorgetragen klingen.

Man hört darin auch die Stadt. Nicht das Zentrum Londons, nicht das luxuriöse London. Das echte Südlondon. Züge, die in der Ferne vorbeifahren. Menschen vor Cafés. Das Licht des späten Nachmittags über Backsteingebäuden. Freunde, die in Parks sitzen, während in der Nähe leise Musik spielt. Das Duo – zwei Brüder mit dem Nachnamen Summers, Turt am Gesang und Slim an der Produktion – hat in den RTB Studios in South Bermondsey aufgenommen, und die Postleitzahl ist hörbar. Nicht als Gimmick, sondern als Gefühl.

Die Produktion wirkt niemals gehetzt, und genau darin liegt ihre Stärke. Moderne Musik klingt oft gehetzt – sie ist auf kurze Clips und schnelle Reaktionen ausgelegt. Diese Platte klingt geduldig. Sie vertraut darauf, dass man ihr die Zeit gibt, und dieses Vertrauen verleiht dem Album echte Tiefe.

Man hört Anklänge an Nujabes, alte Jazz-Rap-Platten und die sanftere Seite des britischen Underground-Hip-Hop. Doch es wirkt niemals wie Nostalgie um der Nostalgie willen. Es wirkt aktuell, weil die Emotionen echt sind. Turt hat das Album als eine Art Feier beschrieben – nach drei vorherigen Alben, die sich mit Trauer, Elternschaft und Epilepsie befassten, entstand dieses hier in einem völlig anderen Geist. Dieser Wandel ist spürbar. Die Wärme hier ist keine vorgetäuschte Positivität oder motivierende Sprüche. Es ist der Klang von Menschen, die etwas durchgestanden haben und auf der anderen Seite beschlossen haben, offen zu bleiben.

Die Titel ziehen wie Gespräche an einem vorbei. Eine Zeile bleibt hängen. Eine Melodie geht nicht mehr aus dem Kopf. Je länger man sich mit dem Album beschäftigt, desto stärker wird es – und genau diese Eigenschaft macht bestimmte Alben so geeignet für die Kultur der Hörbars. Die Lokale, die wir in unserem London-Guide vorstellen – Spiritland, Space Talk, 77 – sind wie geschaffen für Alben wie dieses. Musik, die einen Raum belohnt, der ganz auf sie zugeschnitten ist.

Das ist Musik für den Heimweg. Musik zum Kaffeekochen. Musik, um abends auf dem Balkon zu sitzen. Musik, um nach einem langen Tag wieder zur Ruhe zu kommen.

Auch der Titel spielt eine Rolle . „Dare To Wonder“. Im Jahr 2025 wirkt das fast schon rebellisch – offen zu bleiben, neugierig zu bleiben, nicht gegenüber allem völlig zynisch zu werden. Diese Idee zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album. Es versucht nicht, dein Leben zu beherrschen. Es begleitet es einfach.


Kurze Fragen

Wie klingt das Album?

Warmherziger Jazz-Rap mit gefühlvoller Produktion, nachdenklichen Texten und der entspannten Energie Südlondons. Turt am Mikrofon, Slim an der Produktion – zwei Brüder, die seit 2018 gemeinsam Musik machen und selbstbewusster klingen denn je.

Was macht es so gut?

Das Tempo. Nichts wirkt gekünstelt. Das Album setzt auf Atmosphäre und kleine Details und belohnt Geduld auf eine Weise, die das Streaming den Menschen abgewöhnt hat.

Der schönste Moment?

Das Gefühl, das das Album insgesamt vermittelt. Am Abend klingt es sogar noch besser.


Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.

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