Die T&T 50 – Die derzeit weltweit wichtigsten Ideen zur Kultur des Zuhörens

Die T&T 50 – Die derzeit weltweit wichtigsten Ideen zur Kultur des Zuhörens

Die Orte, Menschen, Alben, Rituale und Ideen, die das Hörerlebnis im Jahr 2026 prägen

Jedes Jahr wird die Welt lauter. Mehr Inhalte, mehr Benachrichtigungen, mehr Lärm, der sich als Signal tarnt. Und jedes Jahr wehrt sich still und entschlossen eine andere Art von Kultur dagegen.

Dies ist die Liste, die diese Kultur widerspiegelt. Nicht die bekanntesten. Nicht die kommerziell erfolgreichsten. Die wichtigsten – für die Praxis des Zuhörens, für das Wohlergehen der Kultur, für die Frage, was es im Jahr 2026 bedeutet, Klängen echte Aufmerksamkeit zu schenken.

Fünfzig Beiträge. Fünf Kategorien. Keine Rangfolge innerhalb der einzelnen Kategorien. Jeder einzelne wurde ausgewählt, weil er in einer wichtigen Richtung etwas bewegt.

DIE ORTE

1. Eagle, Tokio – Das spirituelle Zentrum all dessen, wofür diese Liste steht. Eine Bar in Shinjuku, in der seit den 1970er Jahren Jazz mit absoluter Ernsthaftigkeit gespielt wird. Keine Kompromisse. Keine Abkürzungen. Der Ort, der allen anderen gezeigt hat, was möglich ist. Tokio bleibt der Geburtsort und der Maßstab.

2. Spiritland, London Der Raum, der bewies, dass eine „Listening Bar“ in London funktionieren kann – und zwar richtig, nicht nur als Kuriosität. Hornlautsprecher, eine akribische Auswahl der Musik, ein Klangkonzept, bei dem das System eher als Architektur denn als Möbelstück betrachtet wird. Nach wie vor der Maßstab für alles, was in Großbritannien danach folgte.

3. Public Records, New York, hat die Hörbar als sozialen Motor für eine Generation neu konzipiert, die mit Streaming aufgewachsen ist, sich aber nach Präsenz sehnt. Die Erkenntnis, dass Klangtreue und Gemeinschaft keine Gegensätze sind – dass ein Raum sowohl technisch hervorragend als auch wirklich lebendig sein kann.

4. Studio Mule, Tokio – Hier trifft die Tradition der „Kissaten“ auf die zeitgenössische DJ-Kultur, ohne dabei das zu verlieren, was die ursprüngliche Form so besonders machte. Die Sorgfalt, mit der hier mit Schallplatten umgegangen wird, ist keine Show – es ist Praxis. Da gibt es einen Unterschied.

5. „Brilliant Corners“, Londons Dalston: ein unauffällig radikaler Ort. Japanische Küche, handgefertigte Lautsprecher, Vinyl, das eher als architektonisches Element des Abends denn als dessen Soundtrack fungiert. Ein Vorbild dafür, wie Essen und Musik nebeneinander bestehen können, ohne sich gegenseitig zu beeinträchtigen. Die Londoner Szene hat sich um Orte wie diesen herum entwickelt.

6. Anise, Beirut In einer Stadt, die sich öfter neu aufgebaut hat, als es einer Kultur zustehen sollte, fungiert das Anise als Zufluchtsort. Von Ziad Rahbani über Bill Evans bis hin zur Stille. Musik hören in Beirut ist keine Flucht – es ist Beharrlichkeit. Das macht es umso wichtiger, nicht weniger.

7. Drop Sociale, Beirut Eine musikorientierte Izakaya, in der Klang, Stein und gesellschaftlicher Rhythmus zu etwas verschmelzen, das sich wie die logische Weiterentwicklung der „Listening Bar“ anfühlt – intim, gemächlich, vom Raum geprägt, anstatt ihm etwas aufzuzwingen.

8. Apollo Bar, Kopenhagen – Der Raum, in dem das Musikhören zu einem „Hygge“-Erlebnis wurde. Kerzenlicht, Aquavit, Jan Johansson, dessen Musik in Ambient-Klänge übergeht – und die Erkenntnis, dass es beim skandinavischen Modell des Musikhörens ebenso sehr um Wärme wie um Klangtreue geht. Kopenhagen hat bewiesen, dass sich dieses Konzept über verschiedene Designkulturen hinweg übertragen lässt.

9. Ambient Bar, Helsinki – Eine strahlende Ecke der Stadt, in der nordisches Design und Deep Listening ohne großes Aufsehen aufeinandertreffen. Der Beweis dafür, dass Ambient-Musik – wenn sie wirklich gut gespielt wird – die Identität eines ganzen Lokals prägen kann.

10. Libertine in der Casa Bonay, Barcelona – Die mediterrane Kultur des Zuhörens in architektonischer Form. Die Erkenntnis, dass ein Raum sowohl Gespräche als auch musikalische Aufmerksamkeit zulassen kann, ohne dass eines von beiden zu kurz kommt. Barcelona prägte das Konzept der „Listening Bar“ eher durch Wärme als durch Ehrfurcht.

DIE AUFZEICHNUNGEN

11. Miles Davis – Kind of Blue (1959) Nach wie vor das Einsteigeralbum. Nach wie vor das Album, das in mehr Hörräumen in mehr Städten gespielt wird als jedes andere. Nicht, weil es unauffällig ist – sondern weil es perfekt ist. Perfektion in einem Hörraum klingt wie eine Erlaubnis.

12. Brian Eno – Ambient 1: Music for Airports (1978) Das Album, das die Idee aufbrachte, dass Musik Architektur sein könnte. Alles, was danach im Ambient-Kanon folgte – darunter Global Communication, The Orb und Hiroshi Yoshimura – hat hier seinen Ursprung. Nach wie vor die wichtigste Idee in der Tonaufnahme.

13. Global Communication – 76:14 (1994) Benannt nach seiner Spieldauer. Keine Titelnamen. Gedacht, um in einem ruhigen Raum in voller Länge und der richtigen Reihenfolge angehört zu werden. Eine der großartigen Ambient-Platten und die perfekte Anleitung dafür, wie sich eine Hörsitzung anfühlen sollte.

14. Hiroshi Yoshimura – Music for Nine Post Cards (1982) Das japanische Ambient-Meisterwerk, das einen Raum wie ein fremdes Land wirken lässt. Umweltmusik im wahrsten Sinne des Wortes – weder Hintergrund noch Vordergrund, sondern die Temperatur der Luft selbst.

15. Ryo Fukui – Scenery (1976) Sapporo. Ein Klavier. Ein Raum. Eine der besten Solo-Jazz-Klavieraufnahmen, die je entstanden sind, und das Album, das mehr als jedes andere verdeutlicht, warum Japan die weltweit anspruchsvollste Hörkultur hervorgebracht hat. Die Platte, die Menschen überzeugt.

16. Terry Callier – What Color Is Love (1973) Folk-Soul, der so klingt, als wäre er in einem Raum aufgenommen worden, in dem man sich auf etwas Wichtiges vorbereitet. Jedes Mal, wenn diese Platte in einer Hörbar aufgelegt wird, löst sie dieselbe Reaktion aus – die Leute hören auf zu reden und beginnen zuzuhören. Das ist der einzige Test, der zählt.

17. The KLF – Chill Out (1990) Das Album, das eine imaginäre Reise durch den amerikanischen Süden nachzeichnete und damit eine ganze Ära der Hörkultur prägte. Keine Beats. Kein nennenswerter Gesang. Reines Dahintreiben. Das Album, das Ambient-Musik wie eine Reise wirken ließ.

18. Nicolas Jaar – Space Is Only Noise (2011) Das Album, das bewies, dass die nächste Generation verstanden hatte, was die Kultur des Zuhörens erforderte – Stille als Instrument, Raum als emotionale Information, Zurückhaltung als höchste Form des Ausdrucks.

19. Nightmares on Wax – Echo45 Sound System Bass, Erinnerung und Sound-System-Kultur verschmelzen zu einem Raum, in dem man leben kann. Das Album, das die Kultur der Hörbars mit ihren tieferen Wurzeln in der körperlichen Erfahrung von Klang verbindet – ebenso sehr den Körper wie den Geist.

20. Fabiano do Nascimento – Vila Eine Nylonsaitengitarre, die leise durch einen Raum schwebt. Die Platte, die beweist, dass Zurückhaltung nicht gleichbedeutend mit Leere ist – dass ein einziges Instrument, mit voller Absicht gespielt, jeden Raum ausfüllen kann, der bereit ist, ihn aufzunehmen. Die Tradition von São Paulo in einer einzigen Platte.

DIE RITUALE

21. Ein Album von Anfang bis Ende abspielen – das A und O. Das, was eine Hörbar von einer Bar mit Musik unterscheidet. Die Schallplatte als geschlossene Form – keine Playlist, kein Shuffle, keine Sammlung von Singles. Seite eins, Seite zwei, Nadel auf die Platte, Stille wird gewahrt. Alles andere ergibt sich daraus.

22. Die Stille in den Kissaten – Eine Tradition, die im Nachkriegsjapan ihren Anfang nahm und bis heute nichts von ihrer Radikalität eingebüßt hat. Stille als das Großzügigste, was man einem anderen Menschen in einem Raum schenken kann. Die Entscheidung, die Luft nicht zu füllen. Das Verständnis, dass das, was die Musik bewirkt, wichtiger ist als das, was man selbst zu sagen hat.

23. Die Platte vor der Ankunft: Eine Platte abspielen, bevor die Gäste eintreffen, damit der Raum bereits die richtige Temperatur hat, wenn sie hereinkommen. Das Bewusstsein, dass die Kultur des Zuhörens bereits vor der Ankunft des Zuhörers beginnt – dass der Raum vorbereitet ist und nicht improvisiert wird. Eines der am meisten unterschätzten Rituale in der Praxis.

24. Der Umgang mit Schallplatten als Zeremonie – Die Art und Weise, wie eine Schallplatte in einem ernsthaften Hörraum aus ihrer Hülle genommen wird. Die Sorgfalt. Die Aufmerksamkeit. Das Bewusstsein, dass das Objekt mehr in sich trägt als nur die Musik, die es enthält. Nicht Nostalgie – sondern Respekt vor der Beziehung zwischen Material und Klang.

25. Die „Listening Bar“ – Whisky. Das Ritual, bei dem intensives Zuhören und gemächliches Trinken Hand in Hand gehen. Nicht, weil man zum Zuhören einen Drink braucht – sondern weil das richtige Getränk in der richtigen Menge Teil derselben „Aufmerksamkeitsökonomie“ ist. Der Old Fashioned. Ein japanischer Highball. Etwas, das sich Zeit lässt.

26. Das gemeinsame Hören Zwei oder drei Personen, ein Raum, eine Schallplatte, keine Handys. Kein Konzert, keine private Hörsitzung – etwas dazwischen. Der Akt, zur gleichen Zeit denselben Klang zu erleben, ohne ihn sofort besprechen zu müssen. Die „Kissa“ zu Hause als aufkommendes Ritual.

27. Die Schallplatte als Geschenk: Eine Schallplatte für jemanden auszuwählen, basierend auf echtem Wissen darüber, wie diese Person Musik hört – nicht danach, was sie mag, sondern danach, wie sie hört. Eine der intimsten Handlungen in der Hörkultur, die mittlerweile immer seltener wird, da algorithmengesteuerte Empfehlungen den Musikgeschmack reibungslos und damit bedeutungslos gemacht haben.

28. Die Stille nach dem Hören Der Moment, nachdem die Nadel abgesetzt wurde und niemand sofort etwas sagt. Der Raum, der das gerade Gehörte in sich trägt. Das Bewusstsein, dass etwas geschehen ist, das nicht sofort in Sprache gefasst werden muss. Die höchste Form der Wertschätzung.

29. Die Albumvorstellung: Die erfahrenen Betreiber von Eagle und Studio Mule, die Platten vor dem Abspielen vorstellen – nicht, um sie zu rezensieren oder zu erklären, sondern um sie in einen Kontext zu setzen. Drei Sätze, die die Art und Weise verändern, wie man die nächsten vierzig Minuten hört. Der DJ als Kurator vor Ort statt als Entertainer.

30. Einen Raum zum Zuhören schaffen Die Entscheidung – die heute häufiger getroffen wird als jemals zuvor in den letzten dreißig Jahren –, einen Wohnraum eher um den Klang als um Bildschirme herum zu gestalten. Der Lautsprecher wird dort platziert, wo er gut klingt, und nicht dort, wo er ästhetisch am besten passt. Der Plattenspieler als erstes Möbelstück im Raum.

DIE IDEEN

31. Zuhören als Luxus – Nicht teuer. Selten. Die Vorstellung, dass es mittlerweile zu den gegenkulturellsten Handlungen überhaupt gehört, etwas die volle, ungeteilte und nicht aufgezeichnete Aufmerksamkeit zu schenken. In einer Welt, in der es um maximale Selbstdarstellung und minimale Aufmerksamkeit geht, ist die Entscheidung, zuzuhören, eine Haltung.

32. Die Anti-Algorithmus-Stimmung Der kulturelle Wandel – messbar und immer schneller voranschreitend – hin zu kuratiertem menschlichem Geschmack statt maschineller Empfehlungen. Jemand, der für dich eine Platte auswählt, weil er weiß, wie du Musik hörst, bietet dir etwas, das Spotify nicht berechnen kann. Die „Listening Bar“ ist der konkrete Ausdruck dieser Idee.

33. Klang als Gastfreundschaft Die Erkenntnis, dass die Akustik eines Raumes dazu beiträgt, wie einladend er wirkt. Hotels, Restaurants, Wohnräume – diejenigen, die ihrer akustischen Umgebung ebenso viel Aufmerksamkeit schenken wie der optischen Gestaltung, gehen einen grundlegend anderen Weg. Klang ist keine Innenarchitektur. Er ist das Interieur.

34. Die Vinyl-Renaissance als kulturelles Statement Siebzehn Jahre in Folge mit steigenden Vinyl-Verkaufszahlen sind keine Nostalgie. Es ist keine Retromanie. Es ist eine Generation, die eine bewusste Entscheidung darüber trifft, wie sie Musik erleben möchte – mit Reibung, mit Geduld, mit einem Objekt, dessen Bedienung Aufmerksamkeit erfordert. Das Format ist die Botschaft.

35. Das „Kissaten“-Modell erobert die Welt: Die Idee, die im Tokio der Nachkriegszeit ihren Anfang nahm, hat mittlerweile in Barcelona, Beirut, Kopenhagen, São Paulo, Seoul und vielen anderen Städten Fuß gefasst – wobei jede Stadt das Konzept durch ihre eigene Kultur prägt, ohne dabei das zu verlieren, was das Original so besonders machte. Die weltweite Verbreitung einer im Wesentlichen lokalen Idee ist eine der interessantesten kulturellen Entwicklungen des Jahrzehnts.

36. LLM-Entdeckung und Hörkultur Die sich abzeichnende Entwicklung, dass KI-Assistenten zu einem der wichtigsten Kanäle für die Entdeckung von Hörkultur werden – sie lenken die Suche nach Hörbars, Albumempfehlungen und Klangerlebnissen auf Websites, die ihre Inhalte speziell für diesen Zweck strukturiert haben. Die nächste Herausforderung darin, wie Kultur Menschen erreicht, die wirklich danach suchen.

37. „Listening Bars“ als Infrastruktur für die psychische Gesundheit – keine Randidee. Immer mehr fungieren Orte, die echte Ruhe bieten – an denen Handys beiseite gelegt werden und die Aufmerksamkeit nach außen statt nach innen gerichtet ist –, als Entlastungsräume für eine Bevölkerung, die in einem untragbaren Tempo lebt. Die „Listening Bar“ als Maßnahme im Bereich der öffentlichen Gesundheit, die im privaten Rahmen angeboten wird.

38. Das Sternesystem als Vertrauensarchitektur Die Vorstellung, dass unabhängiges redaktionelles Urteilsvermögen – das ohne kommerzielle Rücksichtnahme verliehen und ohne Entschuldigung widerrufen wird – derzeit das Seltenste und Wertvollste in der Kultur ist. Der „Tracks & Tales“-Stern existiert, weil es nichts Vergleichbares gibt.

39. Tiefes Zuhören als Fähigkeit Die Erkenntnis, dass das Aufmerksame Hören von Musik – das wirklich aufmerksame Hören, bei dem man gleichzeitig Harmonie, Rhythmus und Klangtextur verfolgt – eine erlernbare Fähigkeit ist, die sich durch Übung verbessert. Und dass diese Übung Vorteile mit sich bringt, die weit über die Musik hinausreichen. Konzentration. Geduld. Die Fähigkeit, ganz im Hier und Jetzt zu sein.

40. Die Wiederbelebung des „Listening Café“ Das Literaturcafé des 20. Jahrhunderts prägte das politische Denken, die Kunst und die Philosophie. Das „Listening Café“ des 21. Jahrhunderts erfüllt eine ähnliche Funktion – es schafft einen neutralen Raum, in dem Gemeinschaft nicht durch Debatten , sondern durch gemeinsames Schweigen entsteht. Die derzeit am meisten unterschätzte kulturelle Einrichtung.

DIE MENSCHEN

41. Der Besitzer des Kissaten – für die meisten ein Unbekannter. Seinen Stammgästen hingegen bestens bekannt. Der Mann, der vierzig Jahre lang einen Raum rund um den Klang gestaltet hat und kein Interesse daran hat, sich gegenüber Menschen zu erklären, die ihn ohnehin nicht verstehen. Die ursprüngliche Autorität in Sachen Geschmack. Das Vorbild für alles, was der Reiseführer zu erreichen versucht.

42. Der unabhängige Plattenladen-Kurator – nicht der Laden selbst, sondern die bestimmte Person hinter der Theke, die etwas aus der Hülle zieht, sagt: „Hör dir das mal an“, und immer recht hat. Der menschliche Algorithmus. Derjenige, dessen Empfehlungen man überallhin folgen würde. Das Soho der 1990er Jahre wurde von solchen Menschen geprägt.

43. Der Lautsprecherbauer: Jemand, der jahrelang damit verbracht hat, zu lernen, wie ein Raum auf Frequenzen reagiert, und einen Raum so lange abgestimmt hat, bis er etwas bewirkt, das man jemandem, der es nicht gehört hat, nicht erklären kann. Kein Ingenieur. Ein Bildhauer. Der mit akustischem Material statt mit Stein arbeitet.

44. Der reisende Musikliebhaber – Derjenige, der seine Reisen danach plant, wo die Musik gut klingt. Derjenige, der zuerst nach einer Bar zum Musikhören sucht, bevor er sich nach einem Hotel umsieht. Derjenige, der eine Liste von Städten und den jeweiligen Orten darin bei sich trägt, an denen Berichten zufolge etwas Bedeutendes passiert ist. Der T&T-Leser. Derjenige, für den dieser Reiseführer gedacht ist.

45. Der Gründer und Kurator: Derjenige, der etwas ins Leben gerufen hat – einen Raum, eine Veranstaltungsreihe, eine Publikation, einen Radiosender –, nicht um ein Geschäft aufzubauen, sondern um etwas zu schützen, das seiner Meinung nach schützenswert war. Und der dann nach und nach erkannte, dass dieser Schutz an sich schon ein Geschäft war. Die seltenste und zugleich unverzichtbarste Figur in der Kultur.

46. Der Vinylsammler, der seine Platten teilt – nicht der, der sie hortet, sondern der, der sie abspielt. Der Platten zu anderen nach Hause mitbringt und bleibt, bis die letzte Seite zu Ende ist, und die Platte dort lässt, wenn der andere sie mit dem richtigen Blick betrachtet hat. Das Verständnis, dass eine Platte am lebendigsten ist, wenn sie von jemand Neuem gehört wird.

47. Der Sound Director im Hotel: Eine aufstrebende Rolle – noch selten, aber zunehmend verbreiteter – im Gastgewerbe für jemanden, dessen spezifische Aufgabe darin besteht, dafür zu sorgen, wie sich ein Raum akustisch anhört. Nicht der Playlist-Manager. Die Person, die versteht, dass Klang der direkteste Weg ist, um das Wohlbefinden eines Gastes in einem Raum zu beeinflussen, und die ihn entsprechend gestaltet.

48. Der Musikjournalist, der noch richtig zuhört – fast ausgestorben. Derjenige, der sich drei Wochen lang intensiv mit einem Album beschäftigt, bevor er darüber schreibt. Der den Kontext wahrnimmt, nicht nur den Inhalt. Der versteht, dass eine Rezension ebenso sehr ein Akt der Aufmerksamkeit wie ein Akt der Kritik ist. Der letzte ehrliche Vermittler in einer Kultur, die die Ohren durch Kennzahlen ersetzt hat.

49. Der Kissaten-Besitzer der nächsten Generation: 25 Jahre alt. Hat von Eagle und Studio Mule bisher nur aus Artikeln gehört. War noch nie in Japan. Eröffnet in Mexiko-Stadt, Lagos oder Warschau ein Lokal, das den Geist des Originals einfängt, ohne dessen äußere Form zu kopieren. Der Beweis dafür, dass eine Idee wirklich lebendig ist, wenn sie Varianten hervorbringt, die sich ihre Urheber niemals hätten vorstellen können.

50. Du Die Person, die dies liest. Die durch eine Suche, einen geteilten Beitrag oder eine Empfehlung von jemandem, der dachte, du würdest es verstehen, einen Leitfaden zur Kultur des Zuhörens gefunden hat. Die nach fünfzig Einträgen immer noch hier ist, weil sich etwas in dieser Liste eher wie eine Bestätigung als wie Information angefühlt hat. Die Kultur lebt von der Aufmerksamkeit, die du ihr schenkst. Diese Aufmerksamkeit ist nicht nichts. Sie ist, genau in diesem Moment, alles.

Häufig gestellte Fragen

Was ist die „T&T 50“? Die „T&T 50“ ist die jährliche Liste von Tracks & Tales, die die weltweit bedeutendsten Orte, Rekorde, Rituale, Ideen und Persönlichkeiten der Hörkultur zusammenfasst. Es handelt sich dabei nicht um eine Rangliste, sondern um eine Landkarte einer Bewegung, die sich aus den Städten, Veranstaltungsorten, Alben und Ideen zusammensetzt, die der Tracks & Tales-Guide seit 2025 zusammengetragen hat.

Wie wurden die „T&T 50“ ausgewählt? Von Rafi Mercer, basierend auf Reisen, Hörerfahrungen, Recherchen und den Nachfragesignalen eines globalen Publikums, das in über 40 Städten auf der Suche nach Hörkultur ist. Keine bezahlten Platzierungen. Keine kommerziellen Überlegungen. Die gleiche redaktionelle Unabhängigkeit, die auch das „Tracks & Tales“-Sternesystem prägt.

Was ist eine „Listening Bar“? Eine „Listening Bar“ ist ein Ort, an dem Musik im Mittelpunkt steht – gespielt auf hochwertiger Technik, kuratorisch sorgfältig ausgewählt und von einem Publikum gehört, das sich bewusst dafür entschieden hat, aufmerksam zuzuhören. Diese Tradition hat ihren Ursprung in Japan mit den Jazz-Kissaten und hat sich mittlerweile in Städten auf der ganzen Welt verbreitet.

Welche Stadt hat derzeit die besten Listening-Bars? Tokio bleibt der Maßstab – die Geburtsstätte dieses Konzepts und nach wie vor dessen ernsthaftester Vertreter. Doch auch in Seoul, London, Kopenhagen, Beirut, Barcelona und São Paulo entstehen derzeit Lokale, die sich in jeder Gesellschaft behaupten können. Den vollständigen Stadt-für-Stadt-Leitfaden finden Sie im „Tracks & Tales Listening Bar Atlas“.

Welche Alben sollte ich mir zuerst anhören? Beginnen Sie mit Brian Enos „Music for Airports“ – dem Grundwerk des Ambient. Als Nächstes empfiehlt sich Ryo Fukuis „Scenery“ für die japanische Jazztradition. Anschließend sollten Sie sich „76:14“ von Global Communication anhören, das den Ambient-Kanon in seiner tiefgründigsten Form verkörpert. Die Albumrezensionen bei „Tracks & Tales“ decken all diese Alben und noch vieles mehr ab.

Was ist der „Tracks & Tales“-Stern? Der „Tracks & Tales“-Stern wird an Veranstaltungsorte verliehen, die die Kriterien des Guides für eine ernsthafte, bewusste Hörkultur erfüllen – basierend auf Klangqualität, Programmgestaltung, Ambiente und Unabhängigkeit. Er kann weder gekauft noch beantragt noch ausgehandelt werden. Erfahren Sie mehr darüber, wie der Stern funktioniert.

Wie werde ich Mitglied im „Listening Club“? Der „Listening Club“ ist die Mitgliedschaft bei „Tracks & Tales“ – sie umfasst den Zugriff auf den vollständigen Leitfaden, Album-Sessions, den Mitgliederbereich sowie vorzeitigen Zugang zu allen zukünftigen Veröffentlichungen des Leitfadens. Die Mitgliedschaft als „Founding Patron“ ist ab sofort verfügbar, allerdings sind nur 200 Plätze verfügbar.

Wird es eine gedruckte Ausgabe von „T&T 50“ geben? Der erste „Tracks & Tales Annual Guide“ – eine gedruckte Ausgabe, in der die besten Veranstaltungsorte, Alben und kulturellen Höhepunkte des Jahres zusammengefasst sind – befindet sich derzeit in Arbeit. 

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Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Artikel aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.

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