Freitagmorgen, ohne Eile – Michał Urbaniaks „Ecstasy“

Freitagmorgen, ohne Eile – Michał Urbaniaks „Ecstasy“

Bewegung vor dem Denken

Von Rafi Mercer

Es gibt Tage, an denen der Körper es schon weiß, bevor der Verstand es begreift. Der Kaffee ist noch nicht ganz abgekühlt, im Zimmer ist es still, aber irgendetwas in dir sehnt sich nach Bewegung – nicht nach Tempo, nicht nach Lärm, sondern einfach nach Auftrieb. Heute kommt dieser Klang von Michał Urbaniak und seinem Album „Ecstasy“ aus dem Jahr 1978.

Dies ist ein Tanzalbum im besten Sinne des Wortes. Kein Nachtclub-Tanz. Kein Show-Tanz. Sondern jene private Bewegung am frühen Morgen, bei der sich die Schultern lockern und der Tag einen Hauch weiter aufbricht. Urbaniak hat verstanden, dass Groove die Intelligenz nicht in den Hintergrund drängen muss. Seine E-Geige gleitet eher, als dass sie rasant spielt, und reitet mit der Zurückhaltung eines Jazzmusikers auf Funk-Rhythmen. Nichts wirkt erzwungen. Nichts ist übertrieben.

„Ecstasy“ bewegt sich in jenem Raum der späten 70er Jahre, in dem der Jazz sich kurzzeitig daran erinnerte, dass der Körper eine Rolle spielt. Die Basslinien sind warm und menschlich. Die Rhythmen wirken wie ein Gespräch. Selbst der Titeltrack jagt nicht seinem eigenen Namen hinterher – er umkreist ihn geduldig und lässt die Wiederholung die Arbeit erledigen. Das ist Musik, die darauf vertraut, dass man ihr auf halbem Weg entgegenkommt.

Was mir am besten gefällt, ist der Optimismus, der darin steckt. Kein naiver Optimismus, sondern ein körperlicher Optimismus – das Gefühl, dass Bewegung an sich schon eine Form der Klarheit ist. Diese Platte analysiert man nicht; man lässt sich von ihr zu einer besseren Körperhaltung, einem leichteren Schritt und einer etwas besseren Stimmung als bei dem Aufwachen hinführen.

An einem Freitagmorgen ist das mehr als genug. Kein Manifest. Keine tiefgründige Bedeutung. Nur eine Erinnerung daran, dass Zuhören Freude bereiten kann und dass Freude nicht laut sein muss, um echt zu sein.

Manchmal ist der beste Weg, in den Tag zu starten, nicht das Nachdenken, sondern der Rhythmus.


Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt.
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