Ein Rückzugsort im Keller in Peckham – voller Essen, Schallplatten und Klangqualität
Von Rafi Mercer
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Das „Hausu“ ist eine der renommiertesten Listening-Bars Londons – mehr dazu erfahren Sie in unserem Leitfaden zu den Londoner Musiklokalen.
Name der Veranstaltungsstätte: Hausu
Adresse: 40 Rye Lane, Peckham, London SE15 5BY, Vereinigtes Königreich
Website: hausupeckham.co.uk
Telefon: +44 20 7099 4010
Das Hausu ist einer jener Orte, die ihre Geschichte langsam erzählen – so wie eine Plattenhülle jedes Mal neue Details offenbart, wenn man sie aus dem Regal nimmt. Es liegt direkt an der Rye Lane in Peckham, versteckt in einem Keller, der zwar nicht laut um Aufmerksamkeit buhlt, einen aber mit einer Atmosphäre in seinen Bann zieht, die man sonst nirgendwo findet. Londons Hörkultur hat viele Knotenpunkte – von der audiophilen Hingabe bei Spiritland bis zur Intimität von Brilliant Corners in Dalston –, doch Hausu ist anders. Es ist weniger ein Schrein als vielmehr ein Rückzugsort, ein Ort, an dem Essen und Musik im Einklang stehen, an dem Vinyl nicht nur Kulisse, sondern die Architektur der Nacht ist.
Der Raum ist in sanfte Schatten getaucht, ein kellerartiges Leuchten, das einen wie Samt umhüllt. Die Lautsprecher sind Vintage-Modelle, nicht protzig, sondern sorgfältig ausgewählt; ihre Patina zeugt von jahrzehntelangem Gebrauch und liebevoller Pflege. Man spürt den Klang ebenso sehr, wie man ihn hört – reichhaltig und einhüllend, nicht auf Lautstärke, sondern auf Tiefe abgestimmt. Jazz-Besen flackern, Basslinien schlendern über den Boden, Stimmen strahlen eine Wärme aus, die Gespräche eher anregt, als dass sie mit ihnen konkurrieren. Hier gibt es keine für Algorithmen zusammengestellten Playlists, sondern nur DJs mit Schallplatten, die Geschichten erzählen – eine nach der anderen – und so eine Erzählung weben, die sich im Rhythmus des Raums wandelt.
Was das „Hausu“ so bemerkenswert macht, ist, wie natürlich sich der Klang mit dem Essen verbindet. Die Speisekarte ist reduziert, raffiniert, ohne um der Raffinesse willen raffiniert zu sein – kleine Gerichte, die die Atmosphäre widerspiegeln: durchdacht, ausgewogen, oft überraschend. Eine Schüssel mit misoreicher Brühe hat dieselbe Resonanz wie eine Dub-Platte, die den Raum langsam ausfüllt, während ein spritziges, zitrusartiges Gericht aus eingelegtem Gemüse die Leichtigkeit einer Trompete besitzt, die sich durch den Mix schneidet. Getränke spielen dieselbe Rolle – Cocktails, Weine, Sake –, jedes wie eine Platte zu einem Set abgestimmt, das Ganze aufwertend, ohne zu dominieren. Der Effekt ist kumulativ: Wenn man eine Stunde dort gesessen hat, ist man sich nicht mehr sicher, wo das Essen endet und die Musik beginnt – beides ist zu einem einzigen, durchgehenden Rhythmus verwoben.
Peckham hat sich seinen Ruf durch eine kulturelle Vielfalt erarbeitet, die sich einfachen Schubladen entzieht, und das Hausu fügt sich nahtlos in diesen Trend ein. Oben in der Hauptstraße herrscht ein reges Treiben voller Farben, Essen und Trubel; hier unten verlangsamt sich das Tempo – nicht bis zur Stille, sondern hin zur Achtsamkeit. Es ist kein Ort der Ablenkung, sondern der Präsenz, und genau das zeichnet ihn in einer Stadt aus, die selten stillsteht. Im Hausu hören die Menschen nicht nur halbherzig zu, während sie schon an ihren nächsten Halt denken. Sie sind ganz da, im Einklang, Teil eines gemeinsamen Moments, der von Nadel und Rille getragen wird.
Ein Teil der Faszination liegt darin, wie das Hausu die Grenzen zwischen Bar und Hörraum, Restaurant und Club, Zuhause und Rückzugsort verschwimmen lässt. Man könnte zum Abendessen kommen, und der Abend würde sich wie ein rundes Ganzes anfühlen. Man könnte auf einen Drink vorbeischauen und sich dann, von der Musik mitgerissen, drei Stunden lang dort wiederfinden. Man könnte wegen der Musik kommen, und das Essen würde einen dazu bringen, länger zu verweilen, als man eigentlich vorhatte. Es ist flexibel, aber niemals vage – jedes Element ist klar definiert, und alles geht nahtlos ineinander über.
Es herrscht auch ein subtiles Gemeinschaftsgefühl. Die Menschen, die hierherfinden, suchen nicht das Offensichtliche, und so entsteht eine stille Verbundenheit zwischen den Tischen. Zwischen Fremden entstehen Gespräche darüber, was gerade läuft, die Augen leuchten auf, wenn eine Platte jemanden überrascht, und man nickt dem DJ zu, wenn ein besonders seltener Titel gespielt wird. Es ist kein Ort, der auf Spektakel oder flüchtige Trends ausgelegt ist, sondern auf die Freude an gemeinsamen Entdeckungen – und darin liegt etwas Zeitloses.
Die Bedeutung von „Hausu“ gewinnt vor dem Hintergrund der allgemeinen Renaissance der Musikszene in London noch an Gewicht. Dalston hat seine seit langem etablierten Ankerpunkte; in Shoreditch herrscht reges Treiben mit verspielten Experimenten wie „Mad Cats“; Soho bereichert sich durch neuere Eröffnungen, die Cocktails und Vinyl miteinander verbinden; doch Peckham mit seiner Geschichte der Sound-System-Kultur und der Kreativität an der Basis bietet fruchtbaren Boden für etwas Intimeres. Das „Hausu“ ahmt weder Tokios „Kissaten“ noch New Yorks Hi-Fi-Lounges nach – obwohl es beiden eine Hommage zollt –, sondern wirkt fest in seinem eigenen Stückchen südlondoner Boden verwurzelt.
Und das ist vielleicht die größte Stärke von Orten wie diesem. Sie übertragen keine Kultur, sondern nehmen sie auf und lassen sie in der lokalen Atmosphäre reifen, bis sie zu etwas Einzigartigem wird. Das „Hausu“ versucht nicht, wie überall sonst zu sein. Es versucht, genau hier und jetzt zu sein – mit diesen Leuten, diesem Essen, dieser Musik. Das verleiht ihm seine Bedeutung, und deshalb wird sich jemand in einigen Monaten oder Jahren an den Abend, an dem er hier war, nicht als verschwommenes Bild, sondern als lebendigen, facettenreichen Moment erinnern.
Wenn man geht und wieder zur Straße hinaufsteigt, kehrt Peckhams Tempo zurück – das Geschwätz, die Busmotoren, die sich bewegende Menschenmenge. Doch man nimmt etwas mit: das Gefühl, dass man für eine Weile genug entschleunigt hat, um zu bemerken, wie Klang einen Raum zusammenhalten kann, wie Essen eine Platte bereichern kann, wie sich ein Keller wie das Zentrum einer Stadt anfühlen kann. „Hausu“ macht daraus keine große Sache, aber das muss es auch nicht. Es ist selbstbewusst genug, um die Musik für sich sprechen zu lassen.
Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.
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