Unter dem Pflaster: Nipperkins japanisch inspirierter Hörraum in Mayfair

Unter dem Pflaster: Nipperkins japanisch inspirierter Hörraum in Mayfair

Von Rafi Mercer

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Nipperkin ist eine der angesehensten „Listening Bars“ Londons – mehr dazu erfahren Sie in unserem Leitfaden zu Londons Musiklokalen.

Name des Veranstaltungsortes: Nipperkin
Adresse: 20 Savile Row, Mayfair, London W1S 3PR, Vereinigtes Königreich
Website: nipperkin.co.uk
Telefon: +44 20 3948 9810
Spotify-Profil: k. A.

Mayfair macht keinen Hehl aus seiner Eleganz. Die Straßen glänzen, die Schaufenster sind ebenso sorgfältig hergerichtet wie die Menschen, die daran vorbeigehen, und Diskretion liegt förmlich in der Luft. In der Savile Row, der Hochburg der Maßschneiderei, gibt es eine Tür, an der man leicht vorbeigehen könnte, wenn man nicht wüsste, dass man hier Halt machen muss. Eine kleine Messingplakette, ein sanft beleuchtetes Treppenhaus, das nach unten führt, und dann öffnet sich der Raum: Nipperkin.

Wenn die Straße darüber wie für eine Show hergerichtet wirkt, dann ist das Nipperkin eher auf den Klang ausgerichtet. Die Wände bestehen aus warmem Holz und weichen Stoffen, das Licht liegt genau an jener Stelle zwischen Bernstein und Gold, an der Gesichter am entspanntesten wirken. An einer Wand befindet sich eine sorgfältig zusammengestellte Sammlung von Schallplattenhüllen, die nicht nur zur Zierde dienen, sondern Teil des Gesprächs sind.

Der Raum ist von japanischen „Kissaten“ inspiriert – jenen Cafés aus der Mitte des letzten Jahrhunderts, in denen Schallplatten nicht als Hintergrundmusik, sondern als Herzstück der Atmosphäre gespielt wurden. In Tokio bieten solche Lokale vielleicht Platz für zwanzig Personen; hier ist es nicht viel anders. Die Tische sind niedrig, die Sitzgelegenheiten großzügig, und man hat das Gefühl, dass man, sobald man es sich gemütlich gemacht hat, sich nicht beeilen soll.

Der Klang ist der stille Star der Show. Ein maßgeschneidertes System, zusammengestellt aus japanischen Vintage-Verstärkern und britischen Monitorlautsprechern, das so abgestimmt ist, dass es den Raum ausfüllt, ohne dass auch nur eine einzige Note schrill klingt. Der Bass ist rund und solide, die Höhen detailreich, ohne spröde zu wirken, und der Mitteltonbereich – jenes schwer fassbare Frequenzband der menschlichen Stimme – wirkt so, als wäre er genau darauf abgestimmt, direkt vor einem zu liegen, ganz gleich, wo man sich im Raum befindet.

Die Abende im Nipperkin verlaufen in einem gemächlichen Rhythmus. Zu Beginn ist die Musik vielleicht noch leise – mit den Besen gespielte Trommeln, Kontrabass, das Rascheln einer Bossa-Nova-Gitarre. Die Gäste unterhalten sich leise bei Cocktails, die wie kleine Skulpturen serviert werden: Der eine wird in einem Kristall-Coupe mit einer Yuzu-Schalenscheibe gereicht, der andere in einer handgefertigten Keramiktasse, aus der Dampf aufsteigt.

Je später es wird, desto vielfältiger wird die Musikauswahl. Der Barkeeper, der gleichzeitig als DJ fungiert, wechselt von japanischem City-Pop zu Modal-Jazz und dann vielleicht zu etwas Unerwartetem – einem Stück äthiopischem Funk oder einer abgenutzten Nick-Drake-Platte. Jeder Titel scheint so ausgewählt zu sein, dass er den Raum ausfüllt, ohne ihn zu dominieren.

Das Publikum hier ist eine interessante Mischung: Einheimische aus Mayfair in maßgeschneiderten Jacketts, Musikfans, die quer durch die Stadt angereist sind, und der eine oder andere Tourist, der zufällig hereingekommen ist und sich sofort verzaubert gefühlt hat. Die Gespräche fließen, ohne jedoch jemals mit der Musik zu konkurrieren.

Die Art und Weise, wie die Getränke serviert werden, hat etwas Theatralisches an sich und passt perfekt zum Programm. Mir fiel auf, dass ein besonders feiner Whisky-Highball genau in dem Moment auf meinem Tisch landete, als die ersten Töne eines Stücks des Bill-Evans-Trios erklangen – die Kohlensäure sprudelte leise im Takt des Klaviers. Ob beabsichtigt oder instinktiv – dadurch wirkte der Abend sehr harmonisch.

Die Speisekarte ist kurz, aber überzeugend, mit einer kleinen Auswahl an Speisen, die japanisch geprägt sind: in Miso marinierte Oliven, Karaage-Hähnchen, ein Teller mit saisonalen Eingelegtem. Genug, um den Abend zu überbrücken, ohne jemals vom Musikgenuss abzulenken.

Was mir an Nipperkin am besten gefällt, ist, dass es sowohl für den zufälligen Besucher als auch für den begeisterten Musikliebhaber Platz bietet. Man kann ohne konkrete Pläne hierherkommen und am Ende eine Reihe von Platten mitnehmen, auf die man alleine niemals gestoßen wäre. Man kann aber auch mit einer Liste von Alben im Kopf hereinkommen, die man gerne hören möchte, und feststellen, dass die Mitarbeiter sich genauso sehr für den eigenen Musikgeschmack interessieren wie für ihren eigenen.

Wenn die Nacht zu Ende geht und man wieder zur Savile Row hinaufgeht, wirkt die Straße ganz anders. Der Verkehr scheint langsamer zu fließen, das Geräusch der Schritte auf dem Bürgersteig ist deutlicher zu hören, und in der Luft schwebt das leise Echo des letzten Songs, den man gehört hat. Im „Nipperkin“ wird nicht nur Musik gespielt – hier wird man neu gestimmt.

Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.

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