Equal Measures: Wo Cocktails und Schallplatten auf der Hackney Road im Einklang stehen

Equal Measures: Wo Cocktails und Schallplatten auf der Hackney Road im Einklang stehen

Von Rafi Mercer

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„Equal Parts“ ist einer der aufstrebenden Orte für Musikgenuss an der Hackney Road – mehr dazu finden Sie in unserem Leitfaden zu den Londoner Musiklokalen.

Name des Veranstaltungsortes: Equal Parts
Adresse: 213 Hackney Road, London E2 8JL, Vereinigtes Königreich
Website: equalparts.bar
Telefon: k. A.
Spotify-Profil: k. A.

An der Hackney Road, einem Abschnitt, der stets im Wandel zu sein scheint – teils altes East End, teils kreative Vorstadt –, gibt es einen kleinen Raum, der sich zum Ziel gesetzt hat, nicht laut, sondern klar zu sein. Equal Parts macht nicht mit Neonreklamen oder Lärm auf sich aufmerksam. Es öffnet einfach seine Türen und lädt dazu ein, zuzuhören.

Der Name sagt schon alles. Dieser Ort lebt von der Ausgewogenheit: Cocktails und Wein, Schallplatten und Gespräche, Präzision und Herzlichkeit. Er ist kein lauter Ausruf im Londoner Nachtleben, sondern eine beständige Note, die bewusst gehalten wird.

Wenn man hereinkommt, fällt einem als Erstes nicht die Bar auf – sondern die Lautsprecher. Die Anlage wurde mit großer Sorgfalt aufgestellt, mit einer Sorgfalt, die darauf hindeutet, dass jemand in jeder Ecke des Raums gesessen, zugehört, nachjustiert und erneut zugehört hat. Der Raum selbst ist kompakt, die Sitzplätze sind so angeordnet, dass die Intimität eher ein Vorteil als eine Einschränkung ist. Gedämpftes Licht lässt die Konturen weicher wirken; selbst inmitten einer Menschenmenge fühlt man sich geborgen.

Vinyl spielt hier eine zentrale Rolle. Das Programm ist vielseitig, aber stets bewusst zusammengestellt. An einem Abend entführt ein DJ das Publikum auf eine Reise von brasilianischen Grooves der 1970er Jahre hin zum kosmischen Jazz; an einem anderen Abend werden Deep-House-Platten so leise gespielt, dass man jede Nuance des Mixes wahrnehmen kann. Hier gibt es kein „DJ-als-Promi“-Gefühl. Equal Parts legt den Fokus ganz auf die Musik selbst, und das Publikum reagiert darauf, indem es sich ganz darauf einlässt.

Getränke sind eine weitere Form des Zuhörens. Die Cocktailkarte liest sich wie eine Reihe kleiner Essays – prägnant, präzise, mit Aromen, die sorgfältig aufeinander abgestimmt sind, anstatt miteinander zu kollidieren. Naturweine spielen eine herausragende Rolle und werden mit dem gleichen Respekt serviert wie die Musik: gerade so viel, dass sie erfrischen, ohne jemals zu überwältigen. Es ist diese zurückhaltende Herangehensweise, die das „Equal Parts“ von den lauteren Bars Londons unterscheidet. Jedes Detail dient dem Gleichgewicht.

Der Raum hat sich bereits den Ruf erworben, ein Ort zu sein, an dem man der Hektik der Stadt entfliehen kann. Die Hackney Road ist ein Korridor der Gegensätze – strömender Verkehr, Geschäfte, die öffnen und schließen, Wandgemälde, die gemalt und neu gestrichen werden. Im „Equal Parts“ scheint die Zeit langsamer zu vergehen. Man könnte argumentieren, dass genau das das Merkmal jeder guten Musikbar ist: Sie schafft eine Pause, einen Moment, in dem Musik nicht nur der Soundtrack Ihrer Nacht ist, sondern deren Mittelpunkt.

Das Team hinter „Equal Parts“ ist kein Neuling in der Gastronomie. Für sie ist Service wie eine Choreografie: Sie bewegen sich mit ruhiger Selbstsicherheit, sind niemals aufdringlich, aber immer präsent. Sie sind Wegweiser, die den Abend behutsam lenken, ohne ihn jemals zu dominieren.

Hier beginnt sich eine Gemeinschaft zu bilden. In East London spricht sich alles schnell herum, und das „Equal Parts“ hat sich zu einem Treffpunkt entwickelt, an dem sich Plattensammler, Barkeeper und Musikliebhaber begegnen. Es ist klein genug, dass man beim zweiten Besuch bereits bekannte Gesichter wiedererkennt, aber dynamisch genug, dass man immer wieder etwas – oder jemanden – Neues kennenlernt.

Wo ordnet sich das Lokal in der Gesamtlandschaft der Londoner „Listening Bars“ ein? Irgendwo zwischen dem ausgefeilten Anspruch von „Brilliant Corners“ und dem gemütlichen Charme von „Paper Dress Vintage“. Es versucht weder, mit der Größe von „Giant Steps“ zu konkurrieren, noch setzt es ganz auf die Nostalgie des „Café 1001“. Bei „Equal Parts“ dreht sich alles um Ausgewogenheit – eine sorgfältige Balance, bei der Musik und Getränke gleichberechtigt sind und keines das andere in den Schatten stellt.

Man ist fast geneigt, „Equal Parts“ als bescheiden zu bezeichnen, doch damit würde man das Wesentliche verfehlen. Bescheidenheit bedeutet, sich zurückzuhalten. Hier kommt jedes Element voll zur Geltung, wird aber nicht zur Schau gestellt. Die Freude liegt gerade in dieser Zurückhaltung. In einer Zeit, in der Veranstaltungsorte um Aufmerksamkeit buhlen, flüstert „Equal Parts“ – und die Menschen hören zu.

Spät am Abend, wenn der Raum voll ist und eine Platte genau die richtige Mischung aus Rhythmus und Stimmung trifft, wird einem klar, was dieser Ort ausmacht. Er verlangt nicht, dass man sich völlig gehen lässt. Er fordert vielmehr dazu auf, die richtige Balance zu finden – zu gleichen Teilen von allem, was einen Abend lohnenswert macht.

Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.


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