Jolene Listening Bar: Hackneys „Naturwein-Keller des Klangs“

Jolene Listening Bar: Hackneys „Naturwein-Keller des Klangs“

Von Rafi Mercer

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Jolene ist eine der angesehensten „Listening Bars“ Londons – mehr dazu erfahren Sie in unseremLeitfaden zu den Londoner Musiklokalen.

Name des Veranstaltungsortes: Jolene Listening Bar
Adresse: 74 Green Lanes, Newington Green, London N16 9EJ, Vereinigtes Königreich
Website: jolenebakery.com
Telefon: +44 20 7018 3533

Jolene ist in London seit langem ein Name, der untrennbar mit Brot und Wein verbunden ist. Die über Nord- und Ost-London verstreuten Bäckerei-Cafés haben sich ihren Ruf durch natürliche Zutaten und eine Philosophie der minimalen Eingriffe erarbeitet, wobei sich Mehlstaub mit Naturweinen vermischt, die bis spät in den Abend hinein ausgeschenkt werden. Doch in der Green Lanes hat das Team unter dem bekannten Jolene-Banner etwas ganz anderes geschaffen: eine „Listening Bar“, in der Klang und Wein gleichermaßen im Mittelpunkt stehen. In der wachsenden Konstellation der Londoner Audiophilen-Locations – vom Ritualismus aus Holz und Vinyl bei „Brilliant Corners“ bis zur verspielten Unvorhersehbarkeit von „Mad Cats“ – positioniert sich Jolene’s Listening Bar mit einer Art stiller Anmut und verbindet ihre bereits beliebte Esskultur mit der Tradition des „Vinyl-first“-Hörens.

Tritt man ein, wirkt der Raum nicht aufdringlich. Er liegt unterirdisch, ist schwach beleuchtet und im Stil zurückhaltend gestaltet. Beton, Holz und Regale voller Schallplatten, die so angeordnet sind, als gehörten sie einem leidenschaftlichen Sammler und nicht dem Entwurf eines Designers. Die Wände scheinen den Lärm von draußen zu verschlucken, sodass nur noch die Plattenspieler und Lautsprecher den Puls des Raums bestimmen. Es fühlt sich an wie ein Keller, der nicht nur für Wein, sondern für Klang gebaut wurde – ein Raum, in dem der Nachhall gezähmt und die Intimität verstärkt wird.

Das Herzstück ist natürlich die Anlage. Von Hand abgestimmte Hi-Fi-Lautsprecher vermitteln eine Wärme, die zum Jolene-Ethos passt: natürlich, ungezwungen, facettenreich. Die Vinyl-Stücke reichen von Ambient über Deep Jazz und Dub bis hin zu brasilianischer MPB, wobei die DJs lange Bögen spinnen, die den Fluss niemals unterbrechen. Es ist nicht so puristisch wie Spiritland, neigt aber auch nicht zum Chaos der nächtlichen Spelunken von Shoreditch. Stattdessen befindet es sich ganz bequem in der Mitte – an einem Ort, an dem das Zuhören mit Respekt behandelt wird, ohne dabei jemals an Geselligkeit einzubüßen.

Wein bildet den Mittelpunkt des Erlebnisses. Jolene hat sich bereits einen soliden Ruf für Naturwein erarbeitet, und hier scheinen die Flaschen im Halbdunkel zu leuchten, mit demselben Stolz aufgereiht wie die Schallplatten. Die Karte wechselt regelmäßig, die Winzer werden nicht wegen ihres Ruhmes, sondern wegen ihrer Authentizität gefeiert – jede Flasche erzählt eine ebenso spannende Geschichte wie die Platten, die auf den Plattentellern drehen. Die Gläser werden trüb, lebendig und strukturiert serviert; Rotweine mit einer Unverfälschtheit, die die Basslinie widerspiegelt, Weißweine, die knackig und klar summen wie eine gut geschnittene Hochfrequenz. Hier ein Glas Wein mit einer Schallplatte zu kombinieren, fühlt sich weniger wie ein Genuss als vielmehr wie ein Ritual an.

Das Essen spiegelt genau diese Philosophie wider. Kleine Gerichte, saisonal, schnörkellos – Wurstwaren, Sardellen, gegrilltes Fladenbrot, Gemüse, das so lange geröstet wird, bis es geradezu singt. Das Essen hier stört den Klang niemals, sondern unterstützt ihn und sorgt so für stundenlanges, entspanntes Zuhören. Es ist eine Fortsetzung von Jolenes übergreifendem Projekt: das Natürliche, Ehrliche und Sorgfältig Zubereitete zu nehmen und es zu einem gemeinschaftlichen Erlebnis zu machen.

Das Publikum ist eine Mischung aus Einheimischen aus Hackney, Branchengrößen und denen, die Jolene auf ihrem Weg vom Mehl zum Funk begleitet haben. Es ist jünger und lockerer als die andächtige Stille, die man in Dalstons Hochburg des Klangs vorfindet, aber aufmerksamer als in einer gewöhnlichen Bar. Der Raum strahlt eine gewisse Großzügigkeit aus – Wein wird Fremden eingeschenkt, es gibt anerkennende Kopfnicken, wenn ein seltener Titel aus den Lautsprechern erklingt, und DJs, die die Abende wie Gespräche gestalten.

Was die Jolene Listening Bar so faszinierend macht, ist, wie nahtlos sie sich in Londons vielschichtige Kultur einfügt. Sie wirkt weder wie ein Import noch wie ein Nebenprojekt. Sie wirkt notwendig, unvermeidlich – eine Bar, in der die Naturwein-Revolution auf die Hi-Fi-Hörbewegung der Stadt trifft und sich beide gegenseitig bereichern. Das erinnert daran, dass „Hören“ nicht gleichbedeutend mit Strenge sein muss und dass Wein nicht zwangsläufig eine Ablenkung darstellt. Zusammen schaffen sie einen Raum, in dem Details zur Geltung kommen.

Wenn man wieder zur Green Lanes zurückgeht, kehrt der Trubel der Stadt zurück – Busse, Fried-Chicken-Läden, Kebab-Restaurants, das geschäftige Treiben des Lebens im Norden Londons. Doch für eine Weile war man unter der Erde, in einem Keller, in dem Musik und Wein herrschten, wo Schallplatten und Weinflaschen gleichermaßen verehrt wurden. Die „Jolene Listening Bar“ muss sich nicht lautstark ankündigen; man muss nur hineingehen, sich hinsetzen und zuhören.

Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.


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