„Sips in Silence“: Kiokus klanglicher Minimalismus in Shoreditch

„Sips in Silence“: Kiokus klanglicher Minimalismus in Shoreditch

Von Rafi Mercer

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Kioku ist eine der angesehensten Listening-Bars Londons – mehr dazu erfahren Sie in unserem Leitfaden zu den Londoner Musiklokalen.

Name des Veranstaltungsortes: Kioku
Adresse: 1 Curtain Road, Shoreditch, London EC2A 3JX, Vereinigtes Königreich
Website: kioku.london
Telefon: k. A.
Spotify-Profil: k. A.


In Shoreditch ist es selten ruhig. Die Straßen sind eine Collage aus Straßenmusikern, Warteschlangen vor Bars, hupenden Taxis und Bässen, die aus den Clubtüren dröhnen. Doch gleich um die Ecke der Curtain Road scheint das „Kioku“ seine eigene kleine Oase der Stille zu bewahren – eine Art akustisches Gewächshaus, in dem Klänge mit Sorgfalt gezüchtet werden.

Der Eingang ist unauffällig – eine schmale Tür, die in einen schwach beleuchteten Raum führt. Im Inneren ist der erste Eindruck der von Weite – offen, übersichtlich und sanft parfümiert mit Eichenholz und einem zarten, blumigen Duft, der von der Bar herüberweht. Die Sitzgelegenheiten sind so angeordnet, dass man dem Klang zugewandt ist und nicht der Menschenmenge, mit niedrigen Tischen, weichen Bänken und einer einzigen durchgehenden Theke, die eher wie ein Platz in der ersten Reihe wirkt als wie eine Servicestation.

Ganz hinten befindet sich das Herzstück des Lokals: ein klar gestaltetes DJ-Pult, Regale voller Schallplatten und eine Soundanlage, die eher wie eine moderne Skulptur als wie Technik aussieht. Die Auswahl an Schallplatten tendiert zum Jazz – modale, spirituelle und zeitgenössische japanische Veröffentlichungen –, mit Ausflügen in die Ambient-Elektronik und langsame, hypnotische Percussion.

Es gibt hier eine gewisse Etikette, auch wenn sie nie ausdrücklich erwähnt wird. Die Gespräche werden leise geführt, nicht weil jemand einen auffordert, leiser zu sprechen, sondern weil die Musik die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Das Personal bewegt sich mit derselben ruhigen Effizienz, schenkt Wein ohne viel Aufhebens ein und beantwortet Fragen mit einem Nicken und einer kurzen, verständnisvollen Antwort.

Die Weinkarte im Kioku ist ebenso sorgfältig zusammengestellt wie die Plattenauswahl. Es überwiegen natürliche Weine, die mit minimalem Eingriff hergestellt wurden; jeder einzelne wurde ebenso sehr aufgrund der Art und Weise, wie er sich im Laufe des Abends entfaltet, wie auch aufgrund seiner Geschmacksprofile ausgewählt. Die Gläser werden wie kleine Rituale an den Tisch gereicht – schwenken, daran riechen, ein erster Schluck –, oft zeitlich genau auf einen Titelwechsel abgestimmt, als wäre dies so geplant.

Bei einem meiner Besuche begann der Abend mit dem sanften Rhythmus einer Platte von Yusef Lateef und endete Stunden später mit einer obskuren Ambient-Seite, bei der der ganze Raum gebannt den letzten Sekunden des Ausklingens lauschte. Niemand klatschte, niemand sprach. Nur ein gemeinsamer Seufzer, bevor das leise Gemurmel der Gespräche wieder einsetzte.

In einer Stadt, in der Musik oft nur als Hintergrunddekoration dient, fordert Kioku – ohne jemals die Stimme zu erheben – dazu auf, sie in den Vordergrund zu rücken. Hier kann man sich nicht in der Menge verlieren. Hier kann man sich in einem Lied wiederfinden.

Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.


Mehr entdecken: Sehen Sie sich unsere „Listening Bars“-Kollektion für Veranstaltungsorte weltweit an.

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