„The Hidden Groove“: Nine Lives’ Klang-Oase im Keller in London Bridge
Von Rafi Mercer
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„Nine Lives“ ist eine der renommiertesten Listening-Bars Londons – mehr dazu finden Sie in unserem Leitfaden zu Londons Musiklokalen.
Name des Veranstaltungsorts: Nine Lives
Adresse: 8 Holyrood Street, London SE1 2EL, Vereinigtes Königreich
Website: ninelivesbar.com
Telefon: +44 20 7403 8403
Spotify-Profil: k. A.

In einem Londoner Keller herrscht eine ganz besondere Art von Stille. Es ist keine absolute Stille – nicht in dieser Stadt –, sondern eher ein Gedämpftwerden der Welt da oben. Das Rumpeln der Straße verwandelt sich in ein leises Murmeln, Schritte verschwimmen mit den Wänden, und alles, was bleibt, ist der Raum, den man gerade betreten hat.
Im „Nine Lives“, versteckt in der Holyrood Street, erfolgt der Abstieg ganz bewusst. Die Tür lässt kaum etwas erahnen; man nimmt das leise Summen des Basses wahr, einen Hauch von Wärme. Dann geht es eine kurze Treppe hinunter, und plötzlich befindet man sich an einem ganz anderen Ort – teils Cocktailbar, teils Hörraum, ganz und gar in sich geschlossen.

Das Erste, was einem auffällt, ist die Raumaufteilung. Sie ist zwar kompakt, aber jeder Sitzplatz scheint sowohl hinsichtlich der Sicht als auch der Akustik sorgfältig ausgewählt worden zu sein. Die Bar ist gerade so weit geschwungen, dass man sich problemlos unterhalten kann; die Tische sind geschickt untergebracht, ohne dass man sich beengt fühlt; die Beleuchtung fällt in sanften Lichtflecken statt in einem grellen Lichtkegel.
Nine Lives nimmt seine Musik ernst, ohne dabei viel Aufhebens darum zu machen. Das Soundsystem wurde speziell für den Raum maßgeschneidert – sorgfältig positionierte Lautsprecher, ein dezent integrierter Subwoofer und jene analoge Wärme, die man nur von einem DJ bekommt, der schon drei Tracks im Voraus plant. Man spürt den Bass in der Brust, ohne dass er aufdringlich wirkt; die Höhen sind klar genug, um das Schimmern der Becken einzufangen, ohne dabei spröde zu klingen.

Die Musik hier ist saisonal – nicht als bloße Spielerei, sondern weil auch die Cocktailkarte saisonal ist und beides so aufeinander abgestimmt ist, dass es perfekt harmoniert. An einem Sommerabend könnte ein Highball mit Wassermelone und Rum zu Balearic-Klängen und Reggae zur „Golden Hour“ serviert werden. An einem Winterwochenende könnte ein mit Feigen aromatisierter Bourbon-Drink zu Deep Funk, Slow Disco und solchen Soul-Stücken gereicht werden, die den Eindruck erwecken, als hätten sie nur auf den richtigen Ort gewartet.
An Themenabenden übernehmen Gast-DJs das Ruder. An einem Abend im März hörte ich mir ein Set an, bei dem Roots-Reggae in Philly-Soul der 1970er-Jahre überging – jeder Übergang wirkte wie ein unausgesprochenes Nicken unter Freunden. Dazwischen servierte das Barteam Drinks mit Namen, die wie kleine Rätsel klangen – „Moby Dick“, „Cosmo-naut“ –, deren Geschmacksprofile mit derselben Sorgfalt zusammengestellt waren wie die Trackliste.
Was im „Nine Lives“ besonders auffällt, ist der Sinn für Ausgewogenheit. Die Lautstärke ist so eingestellt, dass man sich unterhalten kann, ohne sich vorbeugen zu müssen, doch wenn man einen Moment lang schweigt, sind alle Details zu hören – das Schlingen einer Basslinie, der Hauch einer Hi-Hat, die Schwunglinie einer Gesangslinie. Es ist eine Hörbar, die diese Worte nicht an die Wand schreiben muss; der Raum weiß es und verhält sich entsprechend.

Das Publikum ist bunt gemischt – Einheimische, für die es zur Donnerstagsroutine geworden ist, Reisende, denen jemand einen Tipp gegeben hat, Barkeeper und Köche, die nach Feierabend hier vorbeischauen. Es gibt eine unausgesprochene Etikette: Handys bleiben in der Tasche, das Lachen ist herzlich, niemand übertönt die Musik. Wer hier ist, hat sich bewusst dafür entschieden, Teil der Atmosphäre dieses Ortes zu sein.
Die Einrichtung erzählt ihre eigene Geschichte – Altholz, grüne Akzente, Flaschen auf der Rückwand, die gleichzeitig als Gesprächsaufhänger dienen. Man hat das Gefühl, dass jede Entscheidung aus einem bestimmten Grund getroffen wurde, sei es, um Geräusche zu dämpfen, den Blick auf sich zu ziehen oder einfach nur, um jemanden um zwei Uhr morgens zum Lächeln zu bringen.
Bei meinem letzten Besuch klang der Abend mit einem Soul-Stück aus, das sich langsam aufbaut und das ich seit Jahren nicht mehr gehört hatte. Die Gläser wurden geleert, die Mäntel übergeworfen, aber niemand machte Anstalten, zur Treppe zu gehen, bis der Ausklang vollständig war. Das ist „Nine Lives“ auf den Punkt gebracht: Die Welt oben kann warten; der Song hat Vorrang.
Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Weitere Geschichten aus „Tracks & Tales“ finden Sie unter Abonnieren, oder Klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.