Nightmares on Wax – In A Space Outta Sound (2006)

Nightmares on Wax – In A Space Outta Sound (2006)

Sonnenlicht durch das Fenster. Bassklänge durch die Dielen.

Von Rafi Mercer

Es gibt Alben, die für dunkle Räume gemacht sind, und es gibt Alben, die für Tageslicht gemacht sind. „In A Space Outta Sound“ schafft es irgendwie, zu beiden zu gehören.

Heute Morgen ist der Himmel blau. Die Sonne tut endlich das, was sie tun soll. Die Fenster stehen offen. Ein leichter Luftzug weht durch den Raum. Und diese Platte passt einfach perfekt zu einem solchen Tag – sie verlangt nichts von dir, versucht nicht, sich zu beweisen, sondern sorgt einfach still und leise für eine bessere Atmosphäre um dich herum.

Das ist schwieriger, als man denkt.

George Evelyn hat unter dem Namen „Nightmares on Wax“ den Begriff „Groove“ stets anders verstanden. Weniger Dringlichkeit. Weniger Show. Mehr Geduld. Selbst wenn die Beats in Richtung Hip-Hop, Dub, Soul oder Downtempo-Elektro tendieren, ist in der Musik niemals eine gewisse Unruhe zu spüren. Die Stücke atmen. Der Raum ist Teil des Rhythmus.

Und vielleicht ist das der Grund, warum dieses Album so wunderbar gealtert ist.

„In A Space Outta Sound“ erschien 2006, in einer Zeit, in der elektronische Musik oft auf Maximalismus und Kompression setzte, und schlug einen ganz anderen Weg ein. Warmer Bass. Lockere Percussion. Der Druck jamaikanischer Sound-System-Musik, gefiltert durch die rauchige Chillout-Kultur und die Zurückhaltung von Yorkshire. Musik für Küchen, Balkone, späte Züge, Kopfhörer, Cafés, Studios und lange Sommernachmittage, an denen die Zeit für einen Moment aufhört, aggressiv zu vergehen.

Schon allein die ersten Songs wirken nach wie vor zeitlos. „Passion.“ „The Sweetest.“ „Flip Ya Lid.“ „Damn.“

Keine Stücke, die um Aufmerksamkeit buhlen. Stücke, die Atmosphäre schaffen.

Diese Unterscheidung ist heute wichtiger als damals.

Wenn man sich das Album im Jahr 2026 noch einmal anhört, fällt vor allem auf, wie menschlich es wirkt. Nichts ist überbearbeitet. Nichts schreit nach Anerkennung. Man hört die persönliche Handschrift darin. Die Luft um die Instrumente herum. Der Bassbereich ist eher auf Behaglichkeit ausgelegt als darauf, zu dominieren. Selbst die Gesangs-Samples wirken eher emotional als algorithmisch ausgewählt.

Und hinter all dem steht die Dub-Kultur. Die Sound-System-Kultur. Das Verständnis, dass der Bass nicht dazu da ist, dich zu beeindrucken – er ist dazu da, den Raum zusammenzuhalten.

Das wird in der heutigen Hörkultur oft vergessen. Bei großartigen Systemen geht es nicht um Lautstärke. Es geht um emotionale Architektur. Um Tiefe, Wärme und Bewegung. Darum, dass man die Musik förmlich neben sich sitzen spürt.

Dieses Album schafft das auf wunderbare Weise.

Es gehört zudem zu einer ganz besonderen Art von Alben, die sich erst dann offenbaren, wenn man mit ihnen lebt. Nicht ein einziges dramatisches Hörerlebnis. Sondern zwanzig kleinere. Sonntagvormittage. Hintergrundmusik, die langsam zu Erlebnissen im Vordergrund wird. Die Art von Album, um die man ganz beiläufig Erinnerungen aufbaut. George Evelyn hat diesen Instinkt früh erkannt – man hört es an der geduldigen Struktur von „Carboot Soul“, und er kehrte zwei Jahrzehnte später bei Echo45 Sound System.

Vielleicht ist das der Grund, warum es mich auch heute noch so tief berührt.

Weil das moderne Leben durch das ständige Bedürfnis, sich in den Vordergrund zu drängen, zermürbend geworden ist. Jede Plattform verlangt nach einer Reaktion. Jeder Song will innerhalb von fünf Sekunden Aufmerksamkeit erregen. Jeder Bildschirm versucht, dich woanders hinzuziehen.

Doch Alben wie dieses lassen sich von diesem Tempo nicht mitreißen.

Sie sitzen ganz unten im Raum. Sie warten darauf, dass du richtig ankommst. Und wenn du da bist, geben sie dir etwas zurück.

Das ist eine Eigenschaft, die auch Nujabes verstanden hat – dass Geduld und Zurückhaltung mehr emotionale Kraft entfalten können als alles, was lauter ist. „Modal Soul“ gehört derselben Tradition an: Musik, die nicht drängt, sondern in ihren Bann zieht.

Heute fühlt sich an wie einer dieser Tage.

Draußen ist der Himmel blau. In der Nähe gibt es guten Kaffee. Die Fenster stehen offen. Und „In A Space Outta Sound“ erfüllt das Haus genau so, wie es gedacht war.

Manchmal reicht das schon. Eigentlich sogar mehr als genug. Dreh die Lautstärke auf!!!!


Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.

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