Perugias „Listening Bars“ – Stille auf den Hügeln, Jazz-Tradition, gemütliche Räumlichkeiten – Tracks & Tales Guide
Wo das Zuhören den Lärm übertrumpft.
Von Rafi Mercer
Perugia lauscht aus der Ferne. Hoch über den umbrischen Ebenen gelegen, wirkt die Stadt physisch von jeglicher Hektik entfernt, und diese Höhenlage verändert die Art und Weise, wie sich Geräusche verhalten. Die Abende brechen hier leise an. Schritte werden leiser. Stimmen werden leiser. Musik tritt nicht als Unterbrechung in Erscheinung, sondern als Fortsetzung der Ruhe des Tages.
Dies ist eine Stadt, der der Jazz im Blut liegt. Das Vermächtnis von Umbria Jazz besteht nicht in Spektakel, sondern in der Vermittlung – in Jahrzehnten des aufmerksamen Zuhörens, in Gastmusikern und in einem Publikum, das darauf geschult ist, aufmerksam zu sein. Dieser Einfluss ist das ganze Jahr über spürbar und prägt die Auswahl der Platten sowie die Atmosphäre in den Räumen, wenn Musik erklingt.
In den Hörräumen von Perugia steht die Konzentration im Vordergrund, nicht die Effekthascherei. In Cafés und Bars, die Wert auf Ruhe legen und in denen die Anlagen zwar schlicht, aber durchdacht eingerichtet sind, findet man Schallplatten. Jazz, Spiritual Soul, Akustik-Alben und nächtliche Ambient-Stücke sind hier zu Hause – Musik, die Geduld belohnt und nicht mit den Gesprächen konkurriert.
Das Musikhören in Perugia hat etwas Gelehrtes an sich. Studenten, Schriftsteller und langjährige Einwohner teilen sich denselben Raum und kehren oft Nacht für Nacht dorthin zurück. Man unterhält sich leise über Schallplatten. Die Plattenseiten werden behutsam gewendet. Die Stille zwischen den Stücken wird nicht automatisch ausgefüllt. Der ganze Raum lauscht gemeinsam, selbst wenn jemand spricht.
Die mittelalterlichen Gassen verstärken diese Zurückhaltung noch. Stein dämpft den Schall. Enge Gassen schließen ihn ein. Eine leise abgespielte Schallplatte wirkt intim, fast schon privat. Die Stadt scheint zur Achtsamkeit anzuregen – gegenüber der Musik, gegenüber der Gesellschaft, gegenüber dem Vergehen der Zeit.
Perugia strebt nicht nach Neuem. Es verfeinert das, was es bereits versteht. Das macht die Stadt zu einer natürlichen Heimat für eine Kultur des Zuhörens, die Tiefe über Zurschaustellung und Präsenz über Lautstärke stellt.
In einer Welt, in der jeder darauf bedacht ist, gehört zu werden, erinnert uns Perugia daran, dass das Zuhören zu etwas Besonderem werden kann – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne.
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In Perugia eilt der Klang nicht den Hügel hinauf – er legt sich nieder und bleibt.
Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt.
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