Sheffield Listening Bars – Stahl, Soul und die Wärme des Klangs – Tracks & Tales-Reiseführer

Wo industrielles Erbe auf moderne Ruhe trifft.

Von Rafi Mercer

Sheffield war schon immer eine Stadt mit Charakter. Man hört ihn in der Sprache, spürt ihn in den Hügeln und sieht ihn in dem Stahl, der einst die Skyline prägte. Der Rhythmus der Maschinen mag zwar verstummt sein, doch ihre Präzision bleibt bestehen – man spürt sie darin, wie die Stadt mit Musik umgeht. Sheffield hat uns einige der einfallsreichsten Musikschaffenden Großbritanniens beschert – Cabaret Voltaire, The Human League, Arctic Monkeys –, doch was sich jetzt abzeichnet, ist weder Lärm noch Nostalgie. Es ist eine Kultur des Zuhörens, die Wert auf Details, Tiefe und Klang legt.

In alten Industriegebäuden und versteckten Bars ist Klang zu einer Art Handwerk geworden. Die neuen Hörräume hier sind bescheiden, handgemacht, typisch für den Norden. Man kommt aus dem Nieselregen herein, zieht den Mantel aus und hört eine Coltrane-Platte, die durch warme Röhren summt. Die Bar wirkt halb wie eine Werkstatt, halb wie ein Rückzugsort – Ziegel, Holz und sanftes, bernsteinfarbenes Licht. Das Publikum ist locker, zur Hälfte Studenten, zur Hälfte Stammgäste, die sich mit Platten auskennen. Es gibt keine Allüren. Sheffields Version des japanischen „Kissaten“ ist nicht formell – sie ist praktisch, gastfreundlich und authentisch.

Die musikalische Geschichte der Stadt ist hier noch immer allgegenwärtig. Ein DJ legt frühe Ambient-Stücke von Warp Records neben Dorothy Ashby oder dem Portico Quartet auf. Jemand erwähnt, dass es in Sheffield wegen der Hügel schwerfällt, ohne einen Rhythmus im Kopf nach Hause zu laufen. Hier geht es nicht um Mode, sondern um Vertrautheit – um den Klang einer Stadt, die schon immer Dinge geschaffen hat, die Bestand haben.

Was die Musikkultur in Sheffield so besonders macht, ist ihre Herzlichkeit. Sie ist nach wie vor vom Arbeitermilieu geprägt: offene Türen, guter Sound, faire Preise, kein Schnickschnack. Das sind keine Konzeptbars, sondern Gemeinschaftsräume, die auf die menschliche Wellenlänge abgestimmt sind.

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Genau wie Tokio und London beweist auch Sheffield, dass es bei Raffinesse nicht um Äußerlichkeiten geht. Es geht um den Geist – darum, zu wissen, wie man etwas richtig klingen lässt.

In einer Welt, in der jeder darauf aus ist, gehört zu werden, hört Sheffield zu.


Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.

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